Friederike Wißmann

Hanns Eisler

Komponist, Weltbürger, Revolutionär
Cover: Hanns Eisler
C. Bertelsmann Verlag, München 2012
ISBN 9783570580295
Gebunden, 301 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Hanns Eisler war in Wien einer der bekanntesten Schüler von Arnold Schönberg. Den überzeugten Kommunisten zog es in den 20er Jahren nach Berlin. Das Elitäre der Avantgarde war ihm stets ein Dorn im Auge, weshalb er Arbeiterlieder und Gassenhauer in 12-Ton-Technik komponierte. Er floh vor den Nazis nach Hollywood, wo er mit Bertolt Brecht, Charlie Chaplin und Thomas Mann zusammenkam und für den Oscar nominierte Filmmusik schrieb. Wegen seiner politischen Haltung aus den USA ausgewiesen, ging er nach dem 2. Weltkrieg in die DDR und schrieb die Nationalhymne: "Auferstanden aus Ruinen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2012

Friederike Wißmann hat ein Buch über Hanns Eisler geschrieben, den Schönberg-Schüler und Komponisten der DDR-Nationalhymne. Rezensent Lorenz Jäger sieht in ihrem Buch allerdings eher eine biografisch informierte Analyse seines Werkes als eine tatsächliche Biografie. Vollkommen glücklich scheint er nicht, wobei in seiner Rezension stellenweise unklar bleibt, wann er sich auf sie bezieht und wann er aus seinem eigenem Wissen schöpft. Besonders das Vorwort Peter Hamms tue einzelnen Aufnahmen Eislers - aber auch Wegbegleitern wie Johannes R. Becher - stellenweise Unrecht. Eisler sei nicht nur ein Meister des Kampfliedes, sondern auch zu feineren Tönen fähig gewesen, schreibt Jäger. Überhaupt sei der Komponist ungemein aktiv gewesen und habe beispielsweise auch bedeutende Filmmusiken geschrieben. Neben Eisler spiele Brecht in Wißmanns Buch die bedeutendste Nebenrolle. Jäger findet, wer sich mit dem deutsch-österreichischen Kommunismus in all seinen Facetten beschäftigen wolle, komme um die Familie Eisler nicht herum.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.09.2012

Als politisch motivierter, aber linienunabhängiger Komponist hat es Hanns Eisler nicht leicht gehabt, weder zu Lebzeiten noch in seiner posthumen Rezeption, weiß Volker Hagedorn. Insofern begrüßt er die Entscheidung von Friederike Wißmann, sich Eisler in ihrer Biografie über sein Werk zu nähern. Dabei leistet sie Außerordentliches, staunt der Rezensent, die Musikwissenschaftlerin analysiere "mitunter auf die Sechzehntelquintole genau, ohne doch Erbsen zu zählen". Dennoch interessiert er sich vor allem für die Persönlichkeit und Biografie Eislers, berichtet von mangelndem Familiensinn und reisst die verschiedenen Stationen ab: das kalifornische Exil, wo Eisler Musik für Hollywoodfilme und sogar Werbespots schrieb, und schließlich, nach seiner Abschiebung im Jahr 1948, die DDR, für die er zwar die Nationalhymne komponierte, in der er ansonsten jedoch nicht glücklich wurde. Dass es Wißmann in diesem letzten Abschnitt gelingt, "neben dem Porträt des Künstlers als alternder Mann auch eines der frühen, schon vergifteten DDR" zu entwerfen, hebt der Rezensent als besondere Leistung hervor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2012

Sehr zufrieden und angetan zeigt sich Wolfgang Schreiber mit Friederike Wißmanns Eisler-Biografie, in der er eine "zerrissene Jahrhundertfigur" angemessen gewürdigt sieht. Die Autorin hat die bewegte Lebensgeschichte des Komponisten und die Zeitumstände an der Linie seiner wichtigsten musikalischen Werke verfolgt, was der Rezensent für einen gelungenen Einfall hält. Und dass Wißmann dem turbulenten Lebensweg Eislers mit einem unaufgeregten Erzählstil begegnet, gefällt Schreiber ebenfalls gut. So ist der Rezensent dankbar für diese feinfühlige und informative Biografie, die pünktlich zum 50. Todestag im September dieses Jahres dem Komponisten in all seinen Facetten gerecht wird, wie er lobt.
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