Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. Nicht Freiheit oder Gerechtigkeit, Sicherheit ist der bestimmende politische Begriff der Gegenwart. Ob Versorgungssicherheit in Krisenzeiten, Datensicherheit im Internet, Gesundheitssicherheit angesichts von Seuchen oder Sicherheit vor unkontrollierter Zuwanderung, mit kaum einem Begriff werden so weitreichende politische Eingriffe gerechtfertigt. Während jedoch vielerorts über das Für und Wider von Sicherheit diskutiert wird, bleibt das Prinzip der Sicherheit selbst meist unhinterfragt. In seiner Begriffsgeschichte von Seneca zur SMS zeigt Frédéric Gros, wie sich Sicherheit von der antiken Weisheitslehre innerer Ruhe erst in der Moderne zu einem Anliegen des Staates und somit zum Ziel aller Politik wandelte. Doch damit ist die Geschichte des Begriffs nicht zu Ende: Heute wird Sicherheit privatisiert, Risiken werden nicht mehr durch den Staat abgeschirmt, sondern durch die permanente Evaluation auf dem Markt ausgeschlossen. Dabei wird eine instabile Ordnung erzeugt, die sich stets am Rande der Katastrophe bewegt. Mit Sicherheit wird dafür gesorgt, dass sich daran nichts ändert und alles so weitergeht wie zuvor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2015
Herfried Münkler, selbst Professor für Politikwissenschaft und politische Ideengeschichte in Berlin, findet das Buch "Die Politisierung der Sicherheit" des französischen Politologen und Foucault-Schülers Frédéric Gros insgesamt anscheinend lobenswert, weil sich der Autor dem "Trend zur Kritik des Sicherheitsstaates" verweigert, wie der Rezensent betont. Allerdings überrascht es Münkler, dass Gros seine Thesen zur Entwicklung des Sicherheitsdiskurses nicht stärker am historischen Material der jeweiligen Stadien orientiert hat. Außerdem kommt die immer vorhandene Gegenbewegung zu kurz, findet Münkler: es mag sein, dass sich die Vorstellung von Sicherheit immer weiter von einer rein innerlichen zu einer immer politischeren, von außen kommenden verschoben hat, allerdings hat es in Krisenzeiten auch immer die Tendenz zu Skeptizismus und Stoizismus und zur Flucht vor dem Politischen gegeben, weiß der Rezensent. Trotzdem wird Gros' Buch seine Rolle in der Diskussion haben, prophezeit Münkler.
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