Frans de Waal

Primaten und Philosophen

Wie die Evolution die Moral hervorbrachte
Cover: Primaten und Philosophen
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446230835
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Robert Wright, Christine M. Korsgaard, Philip Kitcher u. a. Mit 9 Abbildungen. Aus dem Amerikanischen von Hartmut Schickert. Sind wir zum Egoismus verdammt? Oder gehört auch die Moral zu unserer Natur? Der Verhaltensforscher Frans de Waal präsentiert überraschende Antworten auf philosophische Fragen. Forschungen mit Affen haben seine Vermutung bestätigt, dass moralisches Verhalten evolutionäre Vorteile sichert, die für Tiere genauso bedeutsam sind wie für Menschen. Er widerlegt damit die Vorstellung, Menschen seien schon auf genetischer Ebene als egoistische Wesen konzipiert. Der Band stellt de Waals Theorien vor und dokumentiert die daran anschließende Diskussion.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2009

Enttäuscht zeigt sich Malte Dahlgrün von der verhaltensbiologischen und moralphilosophischen Abhandlung des niederländischen Primatenverhaltensforschers Frans de Waal. Wie der Rezensent darstellt, stemmt sich De Waal der Annahme entgegen, dass der Mensch von Natur aus schlecht sei und seine Moralität lediglich eine dünne Fassade. Stattdessen betrachte er Moral als evolutionäres Konzept, deren Vorformen sich bereits in der Tierwelt nachweisen lassen. Zwar bescheinigt Dahlgrün dem Wissenschaftler, mit der diskursiven Anlage seines Buches einem großartigen Konzept zu folgen. Doch leider stößt Dahlgrün dabei auch auf einen "völligen Mangel an Präzision", ein wahlloses Vermischen von Kategorien und die Schaffung von Gegenpositionen, die eigentlich gar keine sind. Im Schlussaufsatz glaubt Dahlgrün schließlich de Waals eigentliches Anliegen zu entdecken, nämlich jenes, den Empfindungen eine konstitutive Rolle an der Moralität zuzusprechen. Sei dies der Fall, so der Rezensent, habe de Waal sein Ziel zuvor "wortreich verfehlt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Der Primatenforscher Frans de Waal hat nach Ansicht von Helmut Mayer vor allem ein Problem: Die Position, gegen die er mit diesem Band anzukämpfen unternimmt, vertritt eigentlich kaum einer mehr. De Waal nennt sie selbst die "Fassadentheorie". Gemeint ist die Ansicht, im Menschen stecke ein amoralisches Tier, das von der Fassade von Moral und Kultur nur temporär verdeckt wird. Der Autor vertritt dagegen die These, dass schon bei Tieren - bei Menschenaffen vor allem - "Anbahnungen menschlicher Moralität" anzutreffen seien. In den dem Band beigegebenen, vom Rezensenten als außerordentlich bereichernd empfundenen Kommentaren geben Philosophen wie Peter Singer und Christine Koorsgaard zu bedenken, dass die Einstellung, die Moral ausmacht, nämlich die Bewertung der eigenen Absichten, bei Menschenaffen so kaum anzutreffen sei. Mayer scheint dem Argument grundsätzlich zuzustimmen, hält das Buch aber doch für recht "erhellend".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Nicht ganz klar wir, ob Christian Thomas sich in dieser Rezension auf mehrere Bücher des Primatenforschers Frans de Waal bezieht oder nur auf "Primaten und Philosophen". Im neu erschienenen Werk untersucht de Waal jedenfalls die Frage nach dem Zustandekommen der "Sozialität der menschlichen Natur". Dabei geht er davon aus, dass menschliches Handeln immer mit dem Verhalten des Mitmenschen zu tun hat. Daraus lässt sich eine positive und eine negative Erkenntnis für den "Menschen als Gemeinschaftstier" gewinnen: Zum einen entsteht moralisches Handeln aus sozialen Emotionen; zum anderen entsteht das Gemeinschaftsgefühl durch Abgrenzung von Fremdem. Inwiefern diese menschlichen Eigenschaften auch auf Tiere angewandt werden können, diskutiert de Waals mit vier Forschern, deren Hintergrund nicht weiter erläutert wird.

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