Antonio R. Damasio

Selbst ist der Mensch

Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins
Cover: Selbst ist der Mensch
Siedler Verlag, München 2011
ISBN 9783886809240
Gebunden, 367 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel. Auf eine Reise in die Tiefen des menschlichen Geistes begibt sich Antonio Damasio, einer der bedeutendsten Neurowissenschaftler unserer Zeit. In seinem neuesten Werk widmet er sich einer Frage, die Neurologen, Philosophen und Psychologen seit Jahrhunderten rätseln lässt: Wie entsteht Bewusstsein? Mit seiner Antwort erklärt Damasio, wie der Mensch zum selbstbewussten Wesen wurde und dabei Fähigkeiten wie Sprache, Kreativität und Moral entwickelte. Seit dreißig Jahren erforscht Antonio Damasio, wie der menschliche Geist arbeitet. Aufgrund überraschender wissenschaftlicher Ergebnisse kann er zeigen, dass das menschliche Bewusstsein ein biologischer Prozess ist, der im Gehirn entsteht. Damit widerlegt Damasio die hartnäckige Vorstellung vom menschlichen Geist als etwas Eigenständiges, das vom Körper getrennt betrachtet werden müsse. In seiner Arbeit geht Damasio über die klassischen Wege, den menschlichen Geist zu untersuchen, hinaus: Neben der Verhaltensforschung und den Neurowissenschaften führt er erstmals eine evolutionäre Perspektive ein. Dadurch gelingt es ihm, unser Verständnis von der Entwicklung des menschlichen Geistes entscheidend zu erweitern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2012

Mit einer groß angelegten Theorie sucht der amerikanische Neurowissenschaftler seine These, wie menschliches Bewusstsein entsteht, zu belegen, stößt damit bei Dominik Perler aber auf Widerstand. Damasio legt, wie der Rezensent zugeben muss, fesselnd und verständlich seine Vorstellung vom Gehirn als einer sowohl vom inneren Körper wie von äußeren Wahrnehmungen Karten anlegenden und miteinander verknüpfenden Instanz dar. Aus dieser Kartografierung lässt sich laut Autor ein Zustand sowohl subjektiv empfinden als auch objektiv beschreiben, so der Rezensent. Dabei entstehen in seinen Augen allerdings zwei Probleme: Der Autor geht sowohl von einem "intentional" agierenden wie materiellem Gehirn aus, ohne für diese Position Belege zu haben. Dazu geht er davon aus, dass allein durch die Verknüpfung der im Gehirn entstehenden "Karten" von Anfang an eine interpretierende Instanz angelegt ist, die damit für ein Selbst und ein Bewusstsein dieses Selbst sorgt. Hier ist für Perler allerdings eher magisches Denken als der Einsatz handfester Belege am Werk, und er findet, dass sich der Autor mit dem "umfassenden Erklärungsanspruch" seiner Theorie grandios "verhebt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.08.2011

Hochinteressiert hat Hannah Lühmann Antonio Damasios Buch über das menschliche Bewusstsein gelesen, und wenn sie auch nicht alle ihre Wünsche erfüllt sieht, lobt sie es dennoch als ausgesprochen lesenswert. Der Neurologe und Neurowissenschaftler wendet sich darin an den engagierten Laien, der sich weder vom trivialen Cover noch von komplizierten naturwissenschaftlichen Zusammenhängen abschrecken lassen sollte, warnt die Rezensentin. Wirklich neue Erkenntnisse hat Damasio, der sich bereits seit den 1990er Jahren mit der Thematik beschäftigt, hier zwar nicht zu bieten. Dafür dröselt er aber konsequent das Verhältnis zwischen Körper und Geist auf und legt es auch in seiner evolutions- und stammesgeschichtlichen Dimension dar, so Lühmann. Die philosophischen Ambitionen, die er in seinem Buch verfolgt, findet die Rezensentin nicht unproblematisch, zumal Damasio seine Begriffe nicht eben sauber klärt und hier enttäuschend "abstrakt und unanschaulich" bleibt, wie sie moniert. Dafür zeige er aber sehr eindrücklich, dass eine Trennung von Körper und Geist nicht möglich ist, und der Mensch alles andere als "Herr im Haus" ist, so die von dieser Erkenntnis leicht beunruhigte Rezensentin.
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