Francisco Ayala

Der Kopf des Lammes

Erzählungen
Cover: Der Kopf des Lammes
Manesse Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783717520283
Gebunden, 381 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Erna Brandenberger. Das Werk Ayalas umspannt mehr als sechs Jahrzehnte. Dieser Auswahlband zeigt den stilistischen und thematischen Reichtum des spanischen Modernisten - seine Erzählungen sind hellsichtige Illustrationen unserer Zeit: illusionslos, von herber Ironie durchzogen, mitunter auch sanft melancholisch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2004

"Was ist Literatur?" Nach einer Reihe von Frontalangriffen auf diese Frage, so Rezensent Kersten Knipp, hat Francisco Ayala sich ihr in einem seiner Texte anders genähert, und eine Abgrenzung ex negativo versucht: Literatur darf niemals "billige Vorlage für den Kitsch, eilfertige Anbiederung ans Naheliegende" sein. Da er sich selbst als Autor so "konsequent" an diese Maxime gehalten hat, so der Rezensent, war er lange kein Lieblingskind der spanischen Literaturlandschaft beziehungsweise Bestsellerlisten. Dies sei zwar inzwischen ganz anders, aber aus eben dieser Zeit des Außenseitertums stammen die von Erna Brandenberger versammelten Erzählungen, denen die Bitterkeit, wenn auch immer durch Ayalas zuweilen "feinen", zuweilen "sarkastischen" Humor "abgefedert", anzumerken ist. Und gerade der Humor, und die Weigerung, sich geschlagen zu geben, die sich bei sämtlichen Figuren wiederfinden, machen diese Texte für den Rezensenten so anziehend. Aller Melancholie und Schwermut zum Trotz, so Knipp, "Exil ist, wenn man trotzdem lacht".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2004

Zunächst einmal möchte Jörg Drews herausstreichen, wie "verdienstvoll" es ist, den spanischen Autor Francisco Ayala endlich auch hierzulande bekannt zu machen. Dennoch ist er nicht vollkommen glücklich über diesen Band mit zwischen 1927 und 1989 entstandenen Erzählungen, denn er findet ihn als erste Begegnung mit einem "unbekannten spanischen Klassiker" zu "divergent". Während er bei einigen Geschichten das allzu "Nette der Sujets" kritisiert und er Erzählungen wie "Jasminduft. Huldigung an Espronceda" viel zu "leicht durchschaubar" findet, ist er dagegen von der titelgebenden Erzählung beispielsweise sehr beeindruckt. Hier entfalte Ayala eine zunächst "läppische Geschichte" geschickt zu einer unheimlichen Betrachtung über Schuld, lobt der Rezensent. Als die eigentlichen "Meisterstücke" des Bandes aber rühmt er die Erzählungen "Entführung", die ein Don-Quichote-Kapitel zur Grundlage hat, und eine Erzählung über eine Reisegruppe in Ägypten. Hier zeigt sich der Autor als "durchtrieben-nonchalant" und bitterböse, so Drews begeistert und lobt ihn für die darin entfaltete "negative Großartigkeit". Am Ende seiner Kritik bedankt sich der Rezensent bei Verlag und Übersetzerin Erna Brandenberger, doch macht er auch deutlich, dass er sich als nächstes "geschlossenere, stringentere Erzählsammlungen" wünscht, die das deutschen Lesepublikum vom "Rang" Ayala überzeugen können.
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