Frances Itani

Betäubend

Roman
Cover: Betäubend
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827005151
Gebunden, 485 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem kanadichen Englisch von Brigitte Gerlinghoff. Schon als Vierjährige verliert Grania durch eine Scharlacherkrankung das Gehör. Sie wächst in einer großen Familie auf, und vor allem die innige Beziehung zu ihrer Großmutter und die Nähe zu ihrer Schwester bewahren sie vor der Verinsamung. Langsam lernt sie, Wörter von den Lippen abzulesen. Auf einem Internat für Gehörlose lernt sie die Zeichensprache und lässt sich zur Krankenschwester ausbilden. Sie verliebt sich in einen hörenden jungen Mann, Jim. Kurz nach der Hochzeit aber geht Jim als Sanitäter in den Ersten Weltkrieg nach Europa. Die Zeit des Wartens beginnt ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2004

Die Welt der Taubstummen bietet sich eher für Film als für die Literatur an, spekuliert Martin Halter. Offensichtlich lasse sich der leere akustische Raum durch Bild und Ton leichter zum Klingen bringen als in einem Buch. Der kanadischen Autorin Frances Itani ist es wider Erwarten gelungen, in ihrem ersten Roman mit dem Titel "Betäubend" in diesen fremden Kosmos der absoluten Geräuschlosigkeit einzudringen, in dem Sprache und Denken, Bedeutungen und Begriffe, Bilder und Laute an seine natürlichen Grenzen stoßen. Die Story spielt zur Zeit des Ersten Weltkriegs, berichtet Halter; parallel zu der Geschichte der irischstämmigen Grania , die durch eine Scharlacherkrankung ihr Gehör verloren hat, wird die Geschichte ihres Schwagers Kenan erzählt, der an der belgischen Westfront in den ohrenbetäubenden Kriegslärm gerät. Ausgerechnet der Krieg bringt Taubstumme und Betäubte zusammen, merkt Halter an. Itani habe das ganze als Liebes- und Entwicklungsroman angelegt, der sprachlich seinem Gegenstand zwar gerecht werde, aber dramaturgisch zu betulich geraten sei, äußert Halter eine verhaltene Kritik. Zu bruchlos scheint ihm Granias Emanzipation vonstatten zu gehen. Die Übersetzung dagegen erhält sein volles Lob.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2004

Barbara von Becker ist von dem Romandebüt der in Ottawa und Genf lebenden Autorin begeistert und spricht von einem "literarischen Kunstwerk". Frances Itani, selbst Enkelin einer tauben Großmuter, erzählt die Geschichte des Mädchens Grania, die im Alter von fünf Jahren durch eine Scharlacherkrankung ihr Gehör verliert und sich eine lautlose Welt erschließen muss, berichtet die Rezensentin. Die Autorin führe uns "mit ihren sensiblen Recherchen in einen Kosmos von uns unbekannten Bedeutungen, veränderten Wertigkeiten, andersartigen Kategorien", beschreibt Becker die Leistung des Buches und lobt zudem noch die "klangvolle" Übersetzung von Brigitte Gerlinghoff. So sei es für den Leser faszinierend, den Lehrstunden beizuwohnen, in denen die Großmutter ihrer tauben Enkelin unermüdlich eine stimmige Artikulation beizubringen versuche und den Leser in ein "Neuland des Sehens und Fühlens" führe, schreibt die Rezensentin sichtlich beeindruckt. Itani habe mit ihren Buch "aus der Kraft, Würde, Autonomie und Eigenart lautlosen Lebens" ein leidenschaftliches Werk, "eine Botschaft von jenseits und diesseits der Stille" geschaffen, schließt Becker ihre euphorische Besprechung und lobt "die kraftvolle und poetische Sprache" mit der die Autorin historische Panoramen mit intimen Szenen, Weltgeschichte mit persönlichen Schicksalen verknüpfe.
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