Klappentext

Aus dem Englischen von Monika Baartz. "Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht." - Als am Ende vom "Report der Magd" die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds "Report" zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit "Die Zeuginnen" nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. "Liebe Leserinnen und Leser, die Inspiration zu diesem Buch war all das, was Sie mich zum Staat Gilead und seine Beschaffenheit gefragt haben. Naja, fast jedenfalls. Die andere Inspirationsquelle ist die Welt, in der wir leben."

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.09.2019

Tanya Lieske liest Margaret Atwoods Fortsetzungsroman mit Spannung. Wie geht es weiter im Kosmos der Mägde? Das Ende der Geschichte erscheint Lieske "atwoodian", mindestens zwielichtig, da Atwood mit drei Erzählstimmen agiert und auch sonst an Rätselhaftigkeit nichts zu wünschen übrig lässt, wie Lieske beteuert. Dass der neue Band im Vergleich mit seinen Vorgängern als temporeicher Pageturner mit Spionageelementen durchgeht, und dies auch sprachlich, findet Lieske okay, zumal der Text nicht ohne den früheren, viel gemächlicheren funktioniert, wie sie erklärt. Im Ganzen ein Ideenroman, den die Rezensentin neben Owell und Huxley ins Regal stellt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.09.2019

Rezensentin Katharina Granzin stellt beeindruckt fest, dass Margaret Atwood ihre Fortsetzung des bekannten Romans "Der Report der Magd" geschickt auf die daraus entstandene Serie "The Handmaid's Tale" bezogen hat, ohne zu spoilern. "Die Zeuginnen" spielt fünfzehn Jahre nach der Welt aus dem ersten Band und knüpft perfekt an dessen Epilog an, indem er die frauenfeindliche Dystopie Gilead zu Ende erzählt, erklärt die Kritikerin. Allerdings findet Granzin diesen Roman politisch weniger drängend als den ersten, er sei eher eine "flott geschriebene Abenteuergeschichte" - aber immerhin mit ausschließlich weiblichen Hauptfiguren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.09.2019

Rezensentin Sylvia Staude wundert es nicht, dass die Kritik so viel aufmerksamer auf "Die Zeuginnen" reagiert als 1987 auf den Vorgänger "Der Report der Magd". Damals, vermutet Staude, dürfte noch nicht mal die Autorin selbst geahnt haben, welche Aktualität und Brisanz ihre Schreckensvision einer misogynen theokratischen Diktatur einmal entwickeln würde. Seit Donald Trumps Amtsantritt wurde und wird Margaret Atwoods Dystopie wieder mehr gelesen, weiß die Rezensentin, und zwar als "hellsichtige Warnung vor einem nicht mehr ganz so unmöglichen Staatsstreich". Mit dem zweiten Teil schließt Atwood nun einige Lücken, die im ersten offen geblieben waren, und bezieht zugleich Stellung zur aktuellen politischen Situation, lesen wir. Erzählt wird aus drei Perspektiven, die sich fast ein wenig zu perfekt zusammenfügen, meint Staude. Auf dezente Psychologisierungen verzichtet Atwood in "Die Zeuginnen" zugunsten eines pointierten, lakonischen, teils sarkastischen Stils und eines nicht unerheblich zur Spannung beitragenden Thriller-Anteils, der dem Roman besonders gegen Ende noch mal richtig Tempo verleiht, so die überzeugte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.09.2019

Rezensentin Meredith Haaf findet Margaret Atwoods zweiten Gilead-Roman temporeicher, spannender und stringenter als den ersten Teil, aber sie hält ihn genau deswegen auch für weniger gute Literatur: Eine Bürgerin des antifeministischen Staates Gilead, eine Frauenrechtlerin aus Kanada, die gegen Gilead kämpft, und die Oberbefehlshaberin über das kümmerliche Leben der unterdrückten Gilead-Frauen erzählen die Geschichte eines von Gilead nach Kanada geretteten kleinen Mädchens und klären nebenbei alles, was der erste Roman offen ließ, fasst die Kritikerin zusammen. Das einzige, was ihrer Meinung nach ungeklärt bleibt, ist die Frage, wie die Männer mit dem patriarchalen System in Gilead umgehen und was sie antreibt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2019

Rezensentin Judith Sevinc Basad blickt mit Wehmut zurück auf Margaret Atwoods "Report der Magd" von 1985. Im Vergleich zu diesem Buch ist Atwoods nun auf Deutsch vorliegender Folgeroman für sie ein lauer Abklatsch, der die Ideologie- und Regimekritik seines Vorgängers und der daraus entstandenen Hulu-Serie fast vollständig ausblendet. Stattdessen bietet Atwood nun laut Rezensentin einen absurden Plot, Soap-Dialoge, viele Emotionen und Streitereien und ewige Beschreibungen von Trachten und ihrer Funktionen. Basad stört auch, dass sich Atwood so offensichtlich auf die Serie und ihr Erfolgsrezept bezieht, ohne dabei allerdings dieselbe Ernsthaftigkeit und den Horror zu erreichen. Die Terror-Schilderungen lesen sich wie Episoden von "Die drei ???", meint Basad. Vor allem aber nimmt sie der Autorin übel, dass sie ihren Roman in der westlichen Welt spielen lässt, obwohl die Terrorisierung der Frauen im Roman nach Ansicht Basads vor allem der in der radikal-islamischen Welt ähnelt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.09.2019

Rezensent Andreas Isenschmid vergleicht - wie es sich wohl allen KritikerInnen aufdrängen wird - diesen neuen Roman von Margaret Atwood mit dem "Report der Magd", der vor 34 Jahren erschien. Dass es jetzt eine Art Fortsetzung gibt, verdankt sich, so der stark auch politisch argumentierende Rezensent, sowohl dem Phänomen des IS und dessen Frauenbild, als auch dem Wahlsieg von Trump, der damit angab, Frauen ungestraft an die "pussy" fassen zu dürfen, und der #MeToo-Bewegung. Tatsächlich ist das Filmkostüm der zu Gebärmaschinen degradierten Frauen in "Report der Magd" zu einem Zeichen des Feminismus bei Demonstrationen von Frauenrechtlerinnen geworden. Isenschmid kann dem "grotesken Begleitgetöse" des Nachfolgeromans wenig abgewinnen, plaudert dann aber recht vergnügt über die Handlungsstränge und Personen des Buchs. Offensichtlich hat ihm die Lektüre großen Spaß gemacht, immerhin gebe es Antworten auf viele Fragen, mit denen der feinsinnigere und weniger süffig geschriebene Vorgänger geendet hatte. Ein wenig aber hat er die Intensität des alten Romans auch vermisst und sieht den Grund darin, dass die drei Zeuginnen nur "Tanten" seien und leider keine "Liebenden" sein dürfen, wie die Heldin im "Report der Magd".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.09.2019

Einen "Pageturner" nennt Rezensentin Edelgard Abenstein Margarets Atwoods Fortsetzung ihres Bestsellers "Der Report der Magd". Die Handlung setzt 16 Jahre nach dem Ende des ersten Romans ein und wird aus drei Perspektiven erzählt. Die Verbindungen der verschiedenen Erzählerinnen zueinander wird nur langsam, Stück für Stück enthüllt. Diesem raffinierten Aufbau, sowie den darin verbauten Thrillerelementen verdankt Atwoods Dystopie ihre Spannung, erklärt Abenstein. Die besondere Bedrohlichkeit entsteht für die Rezensentin jedoch vor allem durch die Nähe des Beschriebenen zu den Erfahrungen und dem historischen Wissen des Lesers. Grund für diese Nähe ist Atwoods spezielles Verfahren in diesem Roman, so die Rezensentin: Nichts sei reine Fantasie, alles der Geschichte entnommen - Nazi-Deutschland, Pinochets Diktatur, der Islamische Staat. Der neue Roman ist im Unterschied zum "Report der Magd" von düsterem Humor geprägt und das Ende macht Hoffnung. Ob das zum Klassiker reicht, bezweifelt die Rezensentin, die den Hype etwas übertrieben zu finden scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2019

Eine etwas ambivalente Besprechung des "internationalen Buchereignisses des Jahres" von Rezensentin Gina Thomas, der langjährigen FAZ-Korrespondentin in London: Viel Rückgriff auf die Konstruktion des zu Grunde liegenden Romans "Der Report der Magd" liegt in dem neuen Roman Margaret Atwoods und auch in dieser Besprechung vor. Der vor 34 Jahren erschienene "Report der Magd" hat, wie man weiß, inzwischen eine globale Karriere als Buch, Film, Serie, Theaterstück etc. hingelegt und Thomas erinnert uns daran, dass viele Elemente sich dem damaligen Berlin-Aufenthalt der Schriftstellerin verdankten. Es seien die Eindrücke aus dem grauen Ost-Berlin ebenso gewesen wie die Aidskrise, Umweltverschmutzung und das Abtreibungsverbot in Rumänien etc., die zu kraftvollen Elementen des weltweit erfolgreichen Buchs wurden. Die Fortführung "Die Zeuginnen", so Thomas, ist ein "weniger literarisches" Buch geworden, fast lese es sich wie ein "Spionageroman". Interessant findet die Rezensent in dieser durch drei Erzählerinnen nach dem Zusammenbruch des totalitären Regimes gewissermaßen als Zeugenaussagen konstruierten Geschichte vor allem das Motiv der Kollaboration. Hier lobt sie den genauen Blick und findet einen Tiefgang, der ihr ansonsten offenbar etwas fehlt. Sie scheint nahe zu legen, dass unter dem medialen Hype des internationalen Literaturbetriebs so einiges an literarischer Glaubwürdigkeit der "willigen" Autorin verschwunden ist.
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