Der Eugen Diederichs Verlag zählte unter der Leitung seines Gründers und Namensgebers in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den führenden Kulturverlagen Deutschlands. Bücher und Zeitschriften wie etwa "Die Tat" wurden zu einflussreichen Institutionen der konservativen und demokratiekritischen Kräfte der Weimarer Republik. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung agierte der Verlag dank seines umfangreichen Bestandes an ideologiekonformer Literatur weiterhin mit großem Erfolg auf dem deutschen Buchmarkt. Die Versuche des Verlages, nach Ende des Kriegs und unter sowjetischer Besatzung an die früheren Erfolge anzuknüpfen, scheiterten jedoch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.11.2004
Ein Lehrstück über die politische Willfährigkeit deutscher Verleger ist diese Untersuchung des Eugen Diederichs Verlags, meint ein überzeugter Frank-Rutger Hausmann. Bis zum Tod des Gründers und Namensgebers im Jahr 1930 zählte er zu den führenden Kulturverlagen Deutschlands, aber mit der Übernahme durch seine beiden Söhne änderte sich die unternehmerische Strategie grundlegend, wurde konservativ und gegen die Weimarer Republik gerichtet. So trennte man sich von missliebigen Autoren wie Henri Bergson zugunsten von völkischen Titeln, Kooperationen mit Nationalsozialisten wie Himmler sollten folgen. Der Historiker Florian Triebel bekam ungehinderten Zugang zum institutionell weit verstreuten Firmenarchiv und hat "gleichermaßen umfassend wie kohärent" die "freiwillige Gleichschaltung" des Verlags rekonstruiert, meint der Rezensent. Durch das entfaltete Panorama der Diederichsschen Erfolgsautoren - Namen, die man heute nicht mehr kennt - leistet das Buch außerdem einen wichtigen Beitrag zur Literaturgeschichte in der Nähe von "Blut und Boden", lobt der zufriedene Kritiker, der die Buchfaksimiles eine bereits optische aufschlussreiche Bereicherung findet.
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