Wo hat das ethische Problembewusstsein der modernen Medizin seine Wurzeln? Anhand exemplarischer "moderner" Konflikte (Schwangerschaftsabbruch und Eugenik, Euthanasie und Sterbehilfe, Arzt-Patienten-Beziehung) wird deutlich, dass die Grundlagen im Umgang mit diesen Konflikten in der Antike zu suchen und zu finden sind. Der Titel "Das Erbe des Hippokrates" ist insofern Programm, als die häufigste Bezugstelle moderner medizinethischer Diskussionen der hippokratische Eid und dessen Tradition ist - der Eid und sein Verfasser bieten somit nicht nur einen idealen Zugang zur Problemstellung, sondern kommen selbst zu Wort.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2008
Die Studie zum ethischen Problembewusstsein und seiner Relevanz für heutige medizinische Grundsatzfragen konnte Rezensenten Michael Pawlik nicht überzeugen. Er wirft Florian Steger vor, "ein schönes Thema banalisiert" zu haben und Implikationen seiner eigenen Studie vollkommen auszusparen. In dem Buch geht es um die Weichenstellung unserer aktuellen Medizinethik durch die Ethik in der platonisch- aristotelischen Antike. Stegers eigene These von der Aktualität der Antike widerspreche sich aber augenblicklich mit seiner kulturrelativistischen Position, die dafür plädiert, dass Ethik wie Medizin nur kontextgebunden funktionieren könne und sich kein "ethischer Minimalkonsens von globaler Gültigkeit" finden lassen könnte. Stegers Argumentation verlaufe laut Pawlik mit schwachen Aneinanderreihungen griechischer Dichterzitate über Themen wie Abtreibung oder Sterbehilfe im Sande. Der Autor reihe lediglich Fragmente aneinander und sei nicht imstande, zu einem Schluss zu kommen oder seinem eigenen Anliegen Kohärenz zu vermitteln, kritisiert Pawlik. Ebenfalls fehle eine Veranschaulichung der sozialen und politischen Beschaffenheit jener Epoche, die Steger zum Vergleich heranzieht.
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