Misstrauen hat einen schlechten Ruf. Angeblich befördert es Populismus und die Erosion des Faktischen: In jeder Krise heißt es deshalb sofort, man müsse wieder Vertrauen entwickeln. Misstrauen hat jedoch auch ein kreatives und regulatives Potential. Kann sich dieses Potential nicht entfalten, verschärft sich Misstrauen und entwickelt sich zu einer Gefahr für Gesellschaft und Staat. Anstatt also in den gegenwärtigen Vertrauenskrisen reflexartig immer sofort Vertrauen in die Institutionen einzufordern, sollte das weltweit wachsende Misstrauen endlich ernst genommen werden.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 20.03.2019
Rezensent Julian Weber lernt den Wert des Misstrauens kennen mit dieser Studie des Hamburger Sozialanthropologen Florian Mühlfried. In Zeiten von Bankenkrise, NSA-Affäre oder Abgasskandal sei Misstrauen längst konstituierend für den modernen demokratischen Staat geworden, liest der Kritiker, der auch Mühlfrieds Misstrauens-Skala mit Interesse betrachtet: Zentrifugale, also nach außen gerichtete Kräfte von Misstrauen können eine Gesellschaft bedrohen, während zentripedale, also nach innen gerichtete Kräfte von Misstrauen demokratiefördernd wirken können, erfährt Weber.
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Siri Hustvedt: Ghost Stories Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt… Colin Walsh: Kala Aus dem Englischen von Andrea O'Brien. In der Küstenstadt Kinlough an der Westküste Irlands treffen drei alte Freunde nach Jahren wieder aufeinander. Im Sommer 2003 gehörten…