Aus dem amerikanischen Englisch von Heide Lutosch. Was, wenn wir nicht nur niemals modern gewesen sind, sondern Geisterwesen, Ahnen und Götter nach wie vor unter uns leben? Dann würde es sich bezahlt machen, von jenen zu lernen, die ihre Existenz immer schon anerkannt haben: immanentistische Gesellschaften. Mit diesem Begriff bezeichnet Marshall Sahlins Gesellschaften, die sowohl historisch als auch geografisch den größeren Teil der Menschheit ausmachen - und die Geister als reale Personen betrachten, als Metamenschen, die mit den Menschen in einer kosmischen Gemeinschaft leben, mit ihnen interagieren und ihr Schicksal beeinflussen. Marshall Sahlins liest ältere und neuere Ethnografien und nimmt uns so mit auf eine Reise um die Welt, von den Inuit am Polarkreis bis zu den Dinka in Ostafrika, von den Arawete-Schwemmgärtnern in Amazonien bis zu den Gartenbauern auf den Trobriand-Inseln. Und er zeigt, dass in den meisten Kulturen auch heute noch die Menschen nur ein kleiner Teil eines verwunschenen Universums sind, das durch die transzendenten Kategorien der "Religion" missverstanden wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.12.2023
Sachlich, vor allem resümierend, aber auch mit leicht skeptischer Note bespricht Rezensentin Andrea Roedig diesen "Schwanengesang" des berühmten Anthropologen Marshall Sahlins, der hier im Alter von 90 Jahren mit Hilfe seines Sohns nochmal sein Plädoyer für "immanentistische Kulturen" ausbreitet. Das Buch sei im wesentlichen eine Montage von Zitaten anderer Anthropologen, die Sahlins' These belegen sollen, dass die "transzendentalistische Revolution" der Monotheismen ein Sündenfall gewesen sei. Sie hätten die Götter nämlich von der Erde in den Himmel katapultiert und das schöne magische Weltbild der indigenen Kulturen kaputtgemacht. Aus diesem heraus müsse man aber denken, dann löse sich die willkürliche Trennung von Natur und Kultur auf, und die Welt wäre wieder in Ordnung, fasst Roedig Sahlins These zusammen. Ganz einverstanden ist sie nicht. Erstens renne Sahlins offene Türen ein - gegen den Rationalismus Emile Durkheims, der Religionen als reine Projektion behandelte, müsse heute nun wirklich niemand mehr anargumentieren. Und zweitens sei auch die Anverwandlung des indigenen Blicks nicht frei von Kolonialismus, schließt die Rezensentin.
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