Fernando Pessoa

Baron von Teive

Die Erziehung zum Stoiker
Cover: Baron von Teive
Ammann Verlag, 2004
ISBN 9783250104827
Gebunden, 109 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel. Mit einem Nachwort von Georg Kohler. Zum ersten Mal auf deutsch wird hier der kleine Text des Halbheteronyms Baron von Teive veröffentlicht, eine wichtige Ergänzung zum Buch der Unruhe und ein wichtiger Bestandteil des Gesamtwerks Pessoas. Alvaro Coehlho de Athayde ist der 14. Baron von Teive, übrigens der einzige Selbstmörder im Werk Pessoas, und entdeckt voller Schmerz, daß er die Bücher, die er schreiben wollte, nicht schreiben kann. "Ich habe, wie mir scheint, die volle Entfaltung meines Verstandes erreicht. Und daher werde ich mich töten." Seine persönliche Chronik, eine Sammlung negativer Lebenslektionen: eine von Einsamkeit geprägte Kindheit, eine enge, aber unerwiderte Bindung an die Mutter, ein abgeschlossenes Studium - ohne Folgen -, eine wohlhabende Existenz auf dem Lande, Schwierigkeiten im sexuellen Umgang mit Frauen, Amputation des linken Beines etc. "Dem Baron fehlten im Leben nicht nur ein abgeschlossenes schriftstellerisch-philosophisches Werk, sexuelle Eroberungen, die Mutter und das linke Bein, ihm fehlte auch der Sinn für Humor."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2005

"Ein schönes Buch", urteilt Hans-Martin Gauger über "Die Erziehung zum Stoiker". Wieder einmal Texte, die Fernando Pessoa unter einem Decknamen - er selbst nannte sie "Heteronyme" - geschrieben hat: diesmal als "Der Baron von Teive". Verstreute, auch im Portugiesischen erst 1999 erschienene Schriften. Der Übersetzerin muss der Rezensent nur manchmal widersprechen - ansonsten habe sie gute Arbeit geleistet. Gauger staunt sogar über die Leichthändigkeit des Stils. Für irreführend hält er jedoch den Titel, denn um Stoizismus im philosophischen Sinne geht es in dem Buch nicht. Es geht vielmehr um eine spezifische Form von Stolz, um ein luziferisches Moment, das der Baron von Teive nicht aus sich, aus seinem Wesen zu verbannen vermag. Eine Neigung zum Nichts, die Unfähigkeit, an irgend etwas zu glauben, sich um irgend etwas zu bemühen. Er will um Perfektion nicht ringen, denn ein Ringen um Perfektion führe nur zum Verzicht. Lieber hält er es mit dem Motto: "Träumen ist besser als sein" und leistet Verzicht - auf das mögliche Glück mit einer gesellschaftlich unter ihm Stehenden, auf das Schreiben und auch auf das Leben. Der Baron, so Pessoas Fiktion, hat sich 1920 das Leben genommen.
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