Antonio Machado

Juan de Mairena

Sprüche, Scherze, Randbemerkungen und Erinnerungen eines zweifelhaften Schulmeisters
Cover: Juan de Mairena
Ammann Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783250104933
Gebunden, 315 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Spanischen übertragen von Fritz Vogelgsang. Fragen gegen den Strich zu bürsten und jeder noch so zwingenden Antwort auf den Zahn zu fühlen, das hat Methode bei Juan de Mairena, läßt ihn Zeit seines Lebens Lehrling seiner selbst und Schulmeister der anderen sein. Im Dialog mit seinen Eleven versucht der potenzielle Begründer einer Weisheitsschule für das Volk, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, ein gewitztes, sokratisches Verfahren und spannend für alle Beteiligten. Wäre die Poesie nicht besser ohne ihre Dichter? Was, wenn Kant Maler gewesen wäre? Wieso kann der Arbeitende vom Müßiggänger profitieren? Und muß zwei plus zwei tatsächlich vier ergeben? Egal wie schwer das Thema wiegt, der scheinbaren Antwort folgt sogleich die nächste Frage. Es bedarf Antonio Machado nur eines einzigen Kniffs, der Schaffung der Figur Juan de Mairena, und es gelingt ihm, den Leser in eine wahrhaft essentielle Gedankenwelt und zu den bedeutendsten Künstlern, Philosophen und Theoretikern zu entführen. Vor einem starken Bildungshorizont zeigt er, daß das Finden einer Antwort häufig etwas Spielerisches an sich hat, daß das Denken (also auch das Lesen!) pures Vergnügen sein kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2006

Als reinstes intellektuelles und sinnliches Vergnügen empfand Rezensent Andreas Dorschel diesen dritten Band der Werkausgabe des spanischen Schriftstellers und Philosophen - schon rein äußerlich aus seiner Sicht eine Augenweide. Das Buch gab Dorschel vor allem einen Begriff von Rhetorik, "wie er anspruchsvoller nicht zu denken sei". Aber auch die "literarische Vielfalt" des Bandes insgesamt, in dem er Aphorismus, Gedicht, Dramolett und Essay gleichberechtigt nebeneinander stehen, Philosophie und Literatur aufeinander treffen sieht, sorgt für gut durchblutete Hirnzellen. Der Titelheld ist Dorschel zufolge ein erfundener Schulmeister, an dem Antonio Machado allerlei Theoretisches praktisch durchexerziert - insbesondere ein Sprachexperiment über Wahrheitsbesitz und die "Erkenntnisfunktion des Irrtums". Auch die Übertragung durch Fritz Vogelsang bekommt Bestnoten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Das ist sympathisch. Antonio Machado, einer der bedeutendsten Lyriker Spaniens aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erfindet einen Sportlehrer, der den "Leibesübungen völlig abhold" ist, wie Yaak Karsunke erklärt. Stattdessen erteile Juan de Mairena, so das Alter Ego Machados, Rhetorikstunden außerhalb des Unterrichts: unterrichte seine Schüler in Logik, Sprache, Dichtung, verteile kleine Denkaufgaben, um Ausdruck und Wahrnehmung zu schärfen. Das klingt sehr pädagogisch, gibt Karsunke zu, sei aber überhaupt nicht trocken und langweilig. Denn Machado habe als Anti-Dogmatiker die Ironie und das Paradoxe geliebt. "Juan de Mairena" ist Machados einziges Prosabuch. Er hat es selbst in dieser Weise zusammengestellt, wie der Rezensent verrät, durchsetzt von Aphorismen, Reflexionen, Zeitungskolummen, die der Dichter bis 1936 für zwei Madrider Zeitungen schrieb. Karsunke empfiehlt wärmstens einen Leserundgang durch Machados phantasievollen "Irrgarten", vorausgesetzt der Leser ist seinerseits "spielerischem Erkenntnisinteresse" nicht abgeneigt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2005

Einen "spanischen Eulenspiegel" sieht Rezensent Kersten Knipp in Antonio Machados literarischer Kunstfigur des Schulmeisters Juan de Mairena. Dessen Sentenzen, ursprünglich 1936 erschienen, nun in deutscher Übersetzung vorliegend, findet Knipp einerseits "keck" und ziemlich "respektlos" und "unpatriotisch". Andererseits wirken sie auf ihn angesichts des damalig wütenden Bürgerkriegs "zeit- und vergleichsweise harmlos", zumal wenn man bedenkt, dass Machado engagiert auf Seiten der Republik kämpfte und 1939 auf der Flucht vor den Truppen Francos. Knipp führt das auch darauf zurück, dass Machado, der sich nicht vereinnahmen lassen wollte, seinen Schulmeister als eine Figur von gestern konzipierte, eine Figur auch, mit der er den aufklärerisch-liberalen Geist des späten 19. Jahrhunderts würdigen konnte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2005

Rolf Michaelis ist beglückt, dass dieses "nie auszulesende, unergründliche" Buch nun endlich auch deutschen Leser zugänglich ist. Antonio Machado war einer der bedeutendsten spanischen Lyriker des 20. Jahrhunderts, klärt uns Michaelis auf, und das Besondere an diesem Buch sei, dass der Dichter von dem Wunsch getrieben gewesen sei, sich dem Volk verständlich zu machen und in seiner "Schnipselprosa" kurz und knapp über alles, über Literatur, Politik, Liebe und Tod, auch über Alltagsdinge geschrieben habe. Zeitungstexte voller Aphorismen, die den Leser mit Erkenntnissen blitzartig ansprängen, schwärmt Michaelis. Für den Rezensenten verbinden sich die vielen Schnipsel zu einem Ganzen, zu einem "Buch der Aufklärung", weil sich der Autor als großer Grübler erweist, der die "hohe Schule der Zweifelkunst" betreibt. Dafür schlüpft Machado auch in die Masken von ihm erfundener Figuren so etwa des Sportlehrers Juan de Mairena, der mit seinen Schülern mehr Denksport als körperliche Ertüchtigung treibt. Das Maskenspiel wird zwei- und dreifach gebrochen, der Zweifel immer weiter getrieben, so Michaelis, der Bewunderung für dieses sich auch in Stil und Sprache manifestierende, alles bezweifelnde Denken äußert. Selbst dem Skeptizismus gegenüber solle man skeptisch sein, habe Machado gesagt - dem will Michaelis nicht folgen.
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