Michi Strausfeld

Dunkle Tiger

Lateinamerikanische Lyrik
Cover: Dunkle Tiger
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2012
ISBN 9783100744449
Gebunden, 384 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Angelica Ammar, Thomas Brovot, Leopold Federmair, Christian Hansen, Martin von Koppenfels, Susanne Lange, Gerhard Poppenberg, Alejandro Rogel Alberdi, Kurt Scharf, Petra Strien. Lateinamerika ist eine Erfindung: eine Gemengelage widersprüchlichster Realitäten und verschiedenster Kulturen. Kein Wunder also, dass es der Kontinent der Poesie ist: von dem eleganten Kosmopoliten Borges zu Nerudas emphatischem Engagement und den weiten Bögen von den Inkas zu Pessoa bei Octavio Paz. Doch die Gründungsväter sind lange tot, die Nobelpreise vergeben. In "Dunkle Tiger" begegnen wir ihren Söhnen, die sich in brennenden Labyrinthen zurechtfinden mussten: in einer Welt verschwindender Menschen, in der ganze Völker zu Geiseln fanatischer Generäle wurden, in explodierenden Städten und verarmenden Landschaften. Ihre Antwort war eine spanischsprachige Poesie, deren Zerbrechlichkeit und Zärtlichkeit sie in Gedichte ummünzten, die einen ganzen Kontinent begeisterten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.07.2013

Katharina Dobler fällt es schwer, zusammenzufassen, welche Gedankenwelten sich in der von Michi Strausfeld herausgegebenen Sammlung moderner lateinamerikanischer Lyrik auftun, zu unterschiedlich sind die Dichter und zu verschieden sind ihre Themen. Sie haben sich an den ganz großen, an Borges, Lima, Neruda, Paz und Vallejo abgearbeitet und ihnen nachgeeifert. Viele von ihnen haben sich mit dem Exil und der Heimatlosigkeit auseinandergesetzt - wofür Juan Gelman das schöne Bild eines hochstaplerischen Löwen gefunden hat, eines "lächerlichen und bedürftigen Schwadroneurs von königlicher Eleganz" -, andere mit dem Verhältnis von Ich und Geschichte und Endlichkeit, berichtet die Rezensentin. Wieder andere, wie Nicanor Parra, erfinden Metaphern, die Erlebnisse einfangen, an denen die Sprache sonst scheitern müsste: "... ich lade euch ein, Schiffe zu verbrennen, / Wie die Phönizier schaffe ich mir mein eigenes Alphabet", zitiert ihn Dobler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Die Hispanistin Michi Strausfeld hat in "Dunkle Tiger" fast zweihundert Gedichte von sechzehn lateinamerikanischen Dichtern versammelt. Die meisten dieser Autoren stammen aus jenen Generationen, die noch selbst die jeweiligen Diktaturen miterlebt und unter ihnen gelitten haben, berichtet Nico Bleutge. Viele von ihnen mussten aus dem Exil schreiben. Der Rezensent will Strausfeld aber nicht zustimmen, dass deswegen die Politik der gemeinsame Nenner der Gedichte sei. Als viel größer empfindet der Rezensent nämlich die Bedeutung der Sprache und ihres Versagens. Bleutge vermisst - neben einigen Dichtern, denen er die Aufnahme in die Anthologie gewünscht hätte - ein paar experimentellere Exemplare: Auch in Brasilien, Chile und Uruguay sei die Konkrete Poesie inzwischen angekommen. Schön findet der Rezensent die Frage, die sich der Chilene Nicanor Parra in einem seiner Gedichte stellt: "Was ist Antipoesie? / ... / Eine Warnung an die jungen Dichter? / Ein Sarg mit Düsenantrieb?"
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2012

Hingerissen zeigt sich Kersten Knipp von dieser Anthologie lateinamerikanischer Lyrik des 20. Jahrhunderts, die Michi Strausfeld herausgegeben hat. Die in dem Band versammelten 180 Gedichte von 16 Autoren aus neun lateinamerikanischen Ländern beeindrucken ihn durch ihre Schönheit, ihre "dunklen Stimmungen" und ihre "abgekühlte Melancholie". Thematisch geht es in dieser Lyrik nach Angabe von Knipp um den Schmerz der Liebe, um die Gewalt, die der Kontinent erfahren hat, und um Lateinamerika als Zufluchtsort. Strausfelds Auswahl der Gedichte, die eine "intime Kenntnis" der lateinamerikanischer Lyrik verrät, findet er rundum überzeugend. Mit viel Lob bedenkt der Rezensent zudem die exzellente Arbeit der Übersetzer.
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