In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, in denen das Selbstverständnis des Menschen ins Wanken gerät, ist die Frage: "Was ist der Mensch?" aktueller denn je. Denn von der Antwort hängt ab, was wir Menschen aus der Welt, in der wir leben, und aus uns selbst machen. Vor diesem Hintergrund stellt Ferdinand Fellmann die anthropologische
Frage neu: Nicht nach dem Wesen des Menschen wird gefragt, sondern, anknüpfend an die berühmte Frage Thomas Nagels ("How is it like to be a bat?"): "Wie ist es, ein Mensch zu sein?" Der Schlüsselbegriff, den Fellmann wiederentdeckt und in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt, ist "Lebensgefühl". Er verbindet beide Seiten der Lebenserfahrung, die objektive und die subjektive. Bisherige philosophische Definitionen des Menschen setzten stets einzelne Züge absolut: Für Aristoteles und Descartes ist der Mensch durch Vernunft und Denken gekennzeichnet, für Hegel durch bürgerliche Sozialität, für Habermas durch kommunikatives Handeln. Erkennen und Handeln machen aber nicht den ganzen Menschen aus. Hinzu kommt das Fühlen. Die Entdeckung des Unbewussten durch die Tiefenpsychologie und der Verdrängungsmechanismen durch die Psychoanalyse haben gelehrt, dass der Mensch neben der Außenwelt in einer Innenwelt lebt, die eigenen Gesetzen der Empathie unterliegt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2018
Wolfgang Hellmich wird zu vielen Fragen angeregt durch das Buch des Anthropologen Ferdinand Fellmann. Was der Autor über das Lebensgefühl als Flamme des Lebens zu sagen hat, findet er spannend. Auch Fellmanns Einordnung des Lebensgefühls als Vernunft im Embryonalzustand scheint Hellmich bedenkenswert. Die vom Autor im Buch ausgebreiteten Lesefrüchte lassen Hellmich selbst nach Korrespondenzen suchen. Fündig wird er in Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". Prägnant geschrieben findet er das Buch auch, nur etwas zu kurz scheint es ihm.
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