Fair Future

Begrenzte Ressourcen und Globale Gerechtigkeit
Cover: Fair Future
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406527883
Kartoniert, 278 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Der Kampf um die knappe Natur wird die Krisen des 21. Jahrhunderts mitbestimmen. Ressourcenkonflikte, große und kleine, sind oft der unsichtbare Faktor hinter Chaos und Gewalt. Wo jedoch der Kuchen immer kleiner, der Hunger immer größer und die Gäste immer zahlreicher werden, da ist es höchste Zeit, nach Wegen einer gerechteren Verteilung von Ressourcen zu suchen. Dieses Buch, verfasst von Fachleuten des international renommierten Wuppertal Instituts, liefert eine Analyse der Konfliktlagen. Es entwirft überdies Perspektiven einer Politik der Ressourcengerechtigkeit und umreißt die Konturen einer globalen Umwelt- und Wirtschaftspolitik, die gleichermaßen der Natur wie den Menschen verpflichtet ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.07.2006

Durchaus nachdenkenswert erscheinen Anbette Jensen die Ausführungen über ökologische und ökonomische Gerechtigkeit in einer globalen Welt, die sich in diesem Band des Wuppertal Instituts finden. Sie lobt die Autoren für ihre differenzierte Diagnose in punkto Umweltschutz und Gerechtigkeit. Klar und deutlich werden ihres Erachtens die zunehmenden globalen ökologischen Probleme und den immer brutalere Kampf um Ressourcen benannt. Dem daraus resultierenden Plädoyer des Wuppertal Instituts nach globaler ökologischer und ökonomischer Gerechtigkeit kann Jensen nur zustimmen. Besonders interessiert sie dabei der Ansatz des Instituts, nicht auf Umverteilung, sondern auf Fairness als Kriterium für Verteilungsentscheidungen zu setzen, wofür letztlich auch eine Neukonstruktion des Welthandelsregimes notwendig ist. Dass die Autoren, ohne dies zu begründen, hier gerade die EU als Hoffnungsträger sehen, überzeugt Jensen allerdings weniger.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2005

Zustimmung und Entsetzen halten sich die Waage in dem, was Bernhard Potter über diesen Band des Wuppertal-Instituts zu berichten hat. Die Zustimmung gilt den Analysen, Thesen und Lösungsversuchen der zwölf Autoren: Eine "globale Moral" sei schlicht unerlässlich in der heutigen Welt, die zentrale Verantwortung für die Schaffung einer "ökosozialen Marktwirtschaft" liege bei Europa, da die USA dafür augenscheinlich nicht zur Verfügung stünden, der Wohlstand der einen dürfe nicht über das Überleben der anderen gestellt werden. Das Entsetzen des Rezensenten ist nun natürlich nicht in diesen Maximen, sondern schlicht in der Tatsache begründet, dass es überhaupt notwendig geworden ist, diese zu formulieren, obwohl sie doch selbstverständlich sein sollten. Angesichts dieser Notwendigkeit aber freut sich Potter über dieses "spannend und verständlich geschriebene" Buch, das mit Kenntnis der Interdependenzen dieser Welt und "originellen Vorschlägen" aufwarten kann. Allein die Beantwortung einer Frage bleibe aus, nämlich wie Europa seine eigenen Probleme lösen könnte, was für die Übernahme kosmopolitischer Verantwortung schließlich Voraussetzung sei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005

Einen "spannenden Überblick" über den ökologischen "State of the World" vermittelt nach Ansicht von Thomas Kesselring der nun vorliegende, jüngste Report des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Kesselring geht zunächst auf die Darstellung der globalen Umweltpolitik ein. Hier offenbare der Report das Bild einer "zerklüfteten Landschaft": Wie Kesselring ausführt, verwickeln sich verschiedenste Interessengruppen entlang diverser ideologischer Verwerfungslinien in Grabenkämpfe, statt die Kooperation zu suchen. Kesselring hebt hervor, dass die Studie für eine internationale Umweltpolitik plädiert, die bei den Menschenrechten und insbesondere beim Existenzrecht der am meisten Benachteiligten anknüpft. Es gelte in den globalen Institutionen die Stimme der am wenigsten Begünstigten zu stärken, allen voran in der WTO, die entsprechend umgestaltet, demokratisiert und mit dem Prinzip der Gewaltenteilung versehen werden müsste. Wo die Studie zu ethischen Fragen Stellung nimmt, überzeugt sie Kesselring wenig. So hält er den Autoren vor, dass ihre Argumentation bisweilen ihren Universalismus verliere und partikularistisch, ja relativistisch werde. Kesselring vermisst "klare ethische Kriterien". Davon abgesehen wertet er den Report als eine "aufrüttelnde und gewinnbringende Lektüre". Etwas bedauerlich findet er nur, dass ein Sachregister fehlt und die aufgeführte Literatur vor allem aus den letzten zehn Jahren stammt, wodurch weiter zurückliegende Pionierwerke häufig unerwähnt bleiben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.06.2005

Das Buch komme "zur rechten Zeit", meint ein beeindruckter Christian Grefe. Hier würden in einer "solchen Dichte von Daten" Ergebnisse präsentiert, die zwar nicht neu, aber so alarmierend seien, dass der Rezensent die zudem "verständlich" und teilweise sogar "brillant" formulierte Veröffentlichung nur begrüßen kann. Die einseitig verteilten globalen Materialströme werden noch einmal detailliert aufgeschlüsselt und aus der Analyse "Leitbilder der Ressourcengerechtigkeit" entworfen. Besonders gefällt Grefe, dass die Wissenschaftler alle Faktoren in Betracht ziehen und damit den "absurden Schulenstreit" zwischen Effizienz, Konsistenz und Suffizienz auflösen. Weniger gefällt dem Rezensenten, dass weder Verursacher noch Hoffnungsträger konkret benannt werden, zur Lösung der Probleme allzu unkritisch auf globale Institutionen vertraut wird und dass die Formulierungen im Vergleich zur Brisanz der Analyse oft zu "milde" erscheinen.