Identitätspolitik steckt in der Sackgasse: Empowerment wird auf Gender-Sternchen und die Vermeidung des N-Worts verkürzt. Überall sollen Minderheiten vor möglichen Verletzungen geschützt werden - in Uniseminaren, Kunst und Mode, im Netz und bei öffentlichen Events. Für alle, die Politik nicht mit eigener Betroffenheit belegen, schließt sich die Debatte. Wer mit der anspruchsvollen Pflichtlektüre nicht hinterherkommt, ist raus. Die solidarische Kritik an diesen Exzessen wird zum Dilemma in einer Zeit, in der Rechte gegen Unisextoiletten und die "Ehe für alle" hetzen - und Linke darin "Pipi fax" oder den Aufstieg von Trump begründet sehen. Zwischen Abwehr und Abschottung richtet der Band den Blick auf die Fallstricke der Identitätspolitik und sucht nach Allianzen jenseits von Schuldzuweisungen und Opferkonkurrenz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.07.2019
Viktor Funk lernt aus dem von Eva Berendsen, Saba-Nur Cheema und Meron Mendel herausgegebenen Sammelband und den Beiträgen über die Selbstzerfleischung linker Gruppen allerhand über Fallen der Selbstdefinition, verletztende Konfrontation, Ausschlussmechanismen und Aufmerksamkeitskonkurrenz, aber auch darüber, wie sich dergleichen vermeiden lässt, etwa aus einem Interview mit den Macherinnen des "Missy Magazine". Besonders lehr- und hilfreichreich, nicht zuletzt für Internetaffine, findet Funkt die zehn Gebote für den richtigen Umgang mit Betroffenheiten, Identitäten und Allianzen am Ende des Bandes.
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