Hinter der Gender-Debatte steht die Überzeugung: In der Moderne inszeniert sich der Mann als rationales Alphatier, die Frau gilt als seine andere: als emotional und minderwertig. Diesen Mythos dekonstruiert Christoph Kucklick mit einem systemtheoretischen close reading kanonischer Texte zum Geschlechterverhältnis aus der Zeit um 1800. Er bringt eine ganz andere Redeordnung ans Licht: die negative Andrologie, in der der Mann als abschreckendes Produkt der Modernisierung erscheint: als gewalttätig, unmoralisch und triebgesteuert. Sogar Fichtes Deduktion der Ehe - bislang gelesen als Manifest des Machismo - kann so neu verstanden werden: als Anleitung zur Zivilisierung der "bösen Männer".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2008
Angetan ist Rezensent Oliver Müller von Christoph Kucklicks Buch "Das unmoralische Geschlecht". Er schätzt diese Doktorarbeit über den Geschlechterdiskurs um 1800 als anregende Antwort auf die Klage, dass Männlichkeit heute nur noch negativ bewertet wird. Kucklick habe für seine Studie über die Genese des negativen Diskurses über den Mann ("negative Andrologie") die einschlägigen philosophischen und anthropologischen Schriften der Umbruchszeit um 1800 verarbeitet. Deutlich wird für Müller dabei, dass auch der Männerkrisendiskurs ein "alter Hut" ist. Er bescheinigt Kucklick, überzeugend vor Augen zu führen, dass der Mann schon damals nicht nur als heroischer, von seiner Frau liebevoll verwöhnter Ernäher der Familie verehrt wurde, sondern auch wegen seiner Triebhaftigkeit und Stumpfsinnigkeit in der Kritik stand.
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