Als bekennender Gegner des Nationalsozialismus wurde Eugen Kogon im September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er bis 1945 inhaftiert blieb. Nach seiner Rettung war er als Chronist für die US-Army tätig und arbeitete parallel an einem Manuskript, das er mehrmals vernichten wollte, so furchtbar war sein Inhalt. 1946 veröffentlichte er das Buch "Der SS-Staat" dann doch - eine umfassende Darstellung der KZ-Gräuel und die erste historische Analyse des NS-Terrorsystems. Dieser einzigartige Bericht stützt sich nicht nur auf 150 Einzelprotokolle, sondern auch auf Kogons eigene Erlebnisse als KZ-Inhaftierter. Erschütternd, präzise und schonungslos wird hier eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte beschrieben, das die Öffentlichkeit zum ersten Mal mit einer bis dahin für unvorstellbar gehaltenen Wirklichkeit konfrontierte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.06.2023
Zwei Standardwerke der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus werden neu aufgelegt, das vorliegende Buch Eugen Kogons über den SS-Staat und Raul Hilbergs epochales Werk "Die Vernichtung der europäischen Juden". Knud von Harbou bespricht die beiden Werke in einer Doppelrezension. Nicht genug kann man die Verdienste Kogons würdigen, betont er zu Beginn seiner Besprechung. Seiner direkt nach dem Krieg in einem halben Jahr niedergeschriebenen Studie in ihrer Detailfülle und analytischen Brillanz wurden erst Jahrzehnte später historische Werke von Rang an die Seite gestellt - Harbou verweist auf Nikolaus Wachsmanns Studie "KL - Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager" von 2016. Sehr früh habe Kogon die Frage nach der Mitschuld der "ganz normalen Deutschen "gestellt, betont Harbou. Die Verdrängung dieser Mitschuld war es für Harbou auch, die die Rezeption Hilbergs in Deutschland so verzögerte. An der 18. Auflage des Kogon-Buchs kritisiert Harbou nur, dass ihr nicht ein neues Vorwort vorangestellt wurde.
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