Aus dem Amerikanischen von Philipp Hölzing. Mit einem Nachwort von Oliver Nachtwey. Was sind soziale Klassen? Was kennzeichnet sie, wie entstehen sie und wie wirken sie sich auf das Leben der Menschen aus? Der amerikanische Soziologe Erik Olin Wright hat sich ein Leben lang mit diesen Fragen beschäftigt und die bedeutendste sozialwissenschaftliche Neuformulierung der Klassentheorie vorgelegt. Sein klassischer Aufsatz "Klasse verstehen" sowie ein ausführliches Interview mit Wright darüber, warum Klasse zählt, liegen mit diesem Band nun in deutscher Übersetzung vor. Die Klassentheorie kennt drei große Traditionen: Stratifizierungsansätze definieren Klasse anhand individueller Eigenschaften und Lebensbedingungen, weberianische Ansätze anhand von Mechanismen der Chancenhortung und marxistische Ansätze anhand von Mechanismen der Ausbeutung und Herrschaft. Für Wright besteht die zentrale Aufgabe nun darin, diese Mechanismen zu verstehen, um sie in einem Erklärungsmodell zu vereinen, das die Mikroebene der Klasseneffekte, die sich an Eigenschaften von Individuen zeigen, mit den Wirkungen der Makroebene, die durch die Art der strukturellen Positionen auf dem Markt und in der wirtschaftlichen Produktion generiert werden, verbindet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2024
Jan Schroeder gibt zu, dass die Klassenfrage für immer mehr Menschen relevant ist. Insofern trifft Erik Olin Wrights Buch für ihn einen Punkt. Allerdings rennt der Soziologe für Schroeder mitunter offene Türen ein, wenn er darüber nachdenkt, dass Privilegien niemals zufällig verteilt sind, und wie sich ein Wohlfahrtsstaat nach skandinavischem Vorbild in den USA umsetzen ließe. Tagespolitisch aktuell kann Schroeder das Thema nicht finden. Die Totenreden auf den Klassenbegriff sind für ihn nun mal nicht auszublenden.
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