Aus dem Chinesischen von Susanne Hornfeck und Wang Jue. Zhao Jue lebt in New York, arbeitet als Dolmetscherin für die UN. In einer Zeitschrift entdeckt sie das Foto einer ehemaligen Mitschülerin. Ihre Freundin lebt inzwischen mit ihrem deutschen Mann in Washington, es ist 1975, China und die USA nähern sich nach dem Besuch von Nixon langsam an. Zhao Jue erinnert sich an die Schulzeit im Schanghai der Dreißigerjahre, an das sexuelle Erwachen der Freundinnen. Wie Eileen Chang überwirft sich Zhao Jue mit der Familie, widersetzt sich deren Heiratsplänen und hält sich während der japanischen Besetzung mit Schmuggel über Wasser. In Amerika begegnet sie Vorurteilen, lernt aber auch die Freiheit kennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2020
Mark Siemons kann in diesem späten, in den USA entstandenen Text von Eileen Chang kaum Spuren der alten literarischen Größe der Autorin entdecken. Fort die Coolness der Figuren, die "resonanzreiche Verschlingung der Bedeutungsebenen" und der "Sinn für Mode oder sexuelle Ambivalenzen". Für Siemons scheint der Sinn des fiktionalen Rahmens ohnehin eher darin zu bestehen, Autobiografisches darin unterzubringen. Allzu viel Konkretes aus der US-amerikanischen Lebenswelt der Autorin bietet der Text laut Siemons allerdings gar nicht, und was darüber zu lesen ist, ist "fast ausnahmslos bitter" und im Stil "durchweg hölzern".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2020
Eine Erzählung aus einem wirklich einmal existenten großbürgerlichen Milieu in Shanghai, schreibt ein erstaunter Rezensent Andreas Breitenstein und nimmt gleich ein für die 1920 dort hinein geborene Schriftstellerin, die durch einen ersten Umzug nach Hongkong und schließlich in die USA ihr Leben zudem früh selbst in die Hand nahm. Zwei Frauenleben im Vergleich, darum geht es in diesem Roman, der erst posthum erscheinen durfte. Aber so richtig entschieden urteilt der Kritiker nicht über ihn - wir erfahren kaum etwas über Sprache, Struktur und Übersetzung. Immerhin lesen wir, dass die beiden Klassenkameradinnen dieses Romans sich tatsächlich noch einmal im Exil treffen dürfen, derweil ihre Leben mit Hilfe vieler Rückblenden und Ortswechsel erzählt wird. Zu sagen habe man sich nichts mehr, lesen wir, und werden am Ende höchstens noch gelockt durch die Formulierung, Chang würde oft als "literarische Existenzialistin" bezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.06.2020
Rezensentin Katharina Borchardt hat nur eines auszusetzen an dieser erstmals posthum erschienenen Erzählung von Eileen Chang. Sie ist ihr entschieden zu kurz. Die autobiografisch geprägte Geschichte um zwei Freundinnen, die sich auf einem Mädcheninternat im Shanghai der Dreißiger kennenlernen, getrennt voneinander in die USA emigrieren und sich entfremden, besticht durch messerscharfe und nuancenreiche Dialoge, versichert die Rezensentin. Die Ereignisse zwischen den Zusammentreffen geraten angesichts der psychologischen und polithistorischen Komplexität der Erzählung aber zu knapp, bedauert Borchardt.
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