Qiu Xiaolong

Tod einer roten Heldin

Roman
Cover: Tod einer roten Heldin
Zsolnay Verlag, Wien 2003
ISBN 9783552052291
Gebunden, 464 Seiten, 23,50 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Holger Fliessbach. Shanghai 1990, eine Stadt an der Schwelle zwischen Kommunismus und Kapitalismus: Oberinspektor Chen ermittelt in einem mysteriösen Mordfall: Das Opfer, Guan Hongying, war Leiterin einer Kosmetikabteilung und Modellarbeiterin - als Heldin der Arbeit ein politisches Vorbild. In ihrem Wäscheschrank findet Chen bürgerlich-dekadente Reizwäsche und ein Bündel erotischer Fotos. Keine Frage: ein brisanter Fall, der bis in die höchsten poitischen Kreise führt.

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

War schon Qiu Xiaolongs Original so leicht konsumier- und glatt übersetzbar, wie geschaffen für den kleinen Massenmarkt der unpeinlichen Unterhaltung? Oder hat die Lektorin vielleicht etwas Sperrigeres, Substanzielleres in der Creative-Writing-Maschine weichgespült? Als Liebhaber des rein künstlerisch Kalkulierten möchte man gerne ein bisschen quengeln, findet aber keinen zwingenden Ansatz. Also Geständnis: gute Stunden verbracht, viel gelernt, Empfehlung...
Lesen Sie mehr von Michael Schweizer in 'Mord und Ratschlag'

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2003

Kristina Maidt-Zinke ist begeistert von diesem chinesischen Krimi. Dabei beeindrucken sie besonders die Beschreibungen des Alltags, die die Einblicke in die chinesischen Gesellschaft gewähren. Auch wenn der in dem Roman gebotene Ausschnitt schon etwas veraltet ist - das Buch spielt Anfang der 1990er Jahre und seither ist in China bekanntermaßen eine Menge passiert - gelinge es dem Autor Qui Xiaolong "das Interesse am der Gegenwart des Landes, das sich auf dem langen Marsch vom kommunistischen Dogma zur anarchischen Marktwirtschaft befindet, kräftig zu schüren". Trotz aller Fremdheit ist die Rezensentin überrascht, wie viele Ähnlichkeiten die erzählte Geschichte mit westlichen Krimis und Milieus aufweist. Doch vielleicht sind die Unterschiede ja auch gar nicht so groß wie angenommen: Dass Qui Xiaolong am Ende dennoch Anlass zu melancholisch-pessimistischen Reflexionen hat, weist ihn als Mitglied einer Gesellschaft aus, in der die Proportionen von Recht und Unrecht , Verbrechen und Strafe genauso unübersichtlich sind wie in den bürgerlich-dekadenten Gemeinwesen des kapitalistischen Welt".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.07.2003

"Bemerkenswert" findet Kolja Mensing diesen Kriminalroman, da er zahlreiche Regeln des Genres bricht. In China gelten eben andere Voraussetzungen als in Amerika, wie der Rezensent bemerkt. Sei es im "amerikanischen Thriller" klar, dass politische Motive mit Diskretion behandelt werden müssten, sei dies in China offenbar umgekehrt. Hier wird ein "bürgerliches Verbrechen" wie Mord aus Leidenschaft nicht akzeptiert, wundert sich der Rezensent. Auch der Krimiheld als "moralische Instanz" fehlt in diesem Roman, da dies nur schlecht in Chinas Gesellschaft passt, so Mensing. Leider bliebe der Held daher jedoch "etwas blass". Außerdem bemängelt der Rezensent die zu eindimensionale Handlung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2003

Ludger Lütkehaus findet diesen Krimi des im amerikanischen Exil lebenden chinesischen Autors bestenfalls "moderat spannend". Wenn ihn etwas an diesem Buch gefällt, dann ist es weniger die Aufklärung des Mordes an einer parteitreuen "Modellarbeiterin und die Aufdeckung ihres Doppellebens. "Interessanter" erscheint ihm dagegen die darin beschriebenen "politisch-psychologischen" Hintergründe, die Chinas seltsame Stellung zwischen Parteidogmen und westlichem Kapitalismus beleuchten. Dennoch hätte der Rezensent von einem Autor, der sich wie Xiaolong in der "chinesischen Tradition" hervorragend auskennt, mehr erwartet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.04.2003

Dieses Buch hat all das, "was ein guter Kriminalroman braucht", schon auf den ersten Seiten versammelt, befindet Tobias Gohlis. "Einzigartig" wird das Werk dadurch, dass ein exzellenter Autor "über eine soziale Wirklichkeit schreibt, über die fast ausschließlich Gerüchte im Umlauf sind". Einige Geheimnisse um Shanghai werden so dem unwissenden westlichen Leser aufgedeckt, zum Beispiel "wie in der VR China unliebsame Fälle aus dem Weg geschafft werden". Dabei verspricht der Rezensent, dass es dem Leser kaum gelingen wird, "sich dem Sog "der Ermittlungen des Kommissars Chen Cao zu entziehen. Dem Leser bestens vertraute Vorgänge, wie zum Beispiel eine "Autofahrt" oder eine "Amtsbesprechung", gewännen unter chinesischen Bedingungen "an dramatischen Eigengewicht". Gohlis feiert den "Tod einer roten Heldin" als Beginn der "modernen chinesischen Kriminalliteratur".
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