Donna Jo Napoli

Flucht nach Venedig

Roman. (Ab 13 Jahre)
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446200128
Gebunden, 200 Seiten, 12,78 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit. Venedig 1942: Als der junge Roberto mit seinen Freunden im Kino sitzt, werden sie von deutschen Soldaten entführt und als billige Arbeitskräfte in den Osten geschickt. Der Lageralltag ist hart - um so wichtiger wird für Roberto jede Geste menschlicher Wärme. Ganz auf sich gestellt, beschließt er, aus der verschneiten Ukraine zu fliehen. Eine auf einer wahren Begebenheit beruhende, packende Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2001

Gefesselt und ergriffen zeigt sich Reinhard Osteroth von dieser Reise durch das kriegerische Europa, in die Welt der Arbeitslager, nach Deutschland, Polen, in die Ukraine. Das liegt zum einen an der Authentizität der Erzählung ("basiert auf bezeugten Fällen"), zum andern sind es der "beharrliche Rhythmus, der Beschreibungen, Beobachtungen und Gedanken ineinander fließen lässt", und die Detailversessenheit des Textes, die das Elend aus Zwangsarbeit und Lageralltag, aus Kälte, Hunger und Durst spiegelt. Und nicht zuletzt sind es die Schilderungen einer untergründigen und mächtigen Natur "als Feind und als Freund", die für den Rezensenten das erzählerische Niveau des Buches markieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2001

Christine Knödler bespricht fünf Jugendbücher über Kinderschicksale in der Nazizeit, und sie ist von jedem einzelnen sehr angetan.
1.) Kathryn Winter: "Katarina". Ein Roman vom Überleben
Die Rezensentin lobt den Jugendroman, der aus der Perspektive des jüdischen Kindes Katarina deren Flucht und Leben im Versteck vor den deutschen Soldaten in Slowenien schildert, für seine Sprachgewalt und die Eindringlichkeit der Darstellung. Sie findet, dass dieses autobiografisch geprägte Buch "kein Wort zu viel" macht und subtil auch das "Unsagbare" zur Sprache bringt. Dass die amerikanische Autorin dabei auch einen Blick fürs Detail beweist, ist der Rezensentin ein besonderes Lob wert.
2.) Mirjam Pressler: "Malka Mai"
Auch diesen Jugendroman, der die Flucht eines jüdischen Mädchens vor den Nazis erzählt, findet die Rezensentin beeindruckend, denn Pressler schaut, wie sie lobend betont, "ganz genau hin".. Sie preist die "neuen Sprachbilder", die die Autorin für die schrecklichen Erlebnisse des Mädchens findet und hebt die zwischen Mutter und Tochter wechselnde Erzählperspektive hervor, die die Geschichte vielschichtig mache.
3.) Ida Vos: "Pausenspiel"
Diesen Roman, der eine Fortsetzung der Geschichte zweier Schwestern darstellt, preist Knödler als "außergewöhnlich". Die niederländische Autorin habe in dem Buch Teile ihrer eigenen Biografie verarbeitet, denn auch sie habe als Kind vor den Nazis fliehen müssen. Deshalb, so die Rezensentin beeindruckt, "weiß" die Autorin "wovon sie schreibt" und kann die Angst des Mädchens eindrücklich wiedergeben. Sie rühmt die Fähigkeit Vos`, die "unheimliche, unfassbare Bedrohung", unter der das Mädchen leidet, anschaulich darzustellen und findet auch die Kinderperspektive, aus der die Ereignisse dargestellt sind, überzeugend.
4.) Donna Jo Napoli: "Flucht nach Venedig"
Auch dieses Jugendbuch, das die Verschleppung von italienischen Jungen durch die Nazis erzählt, findet das ungeteilte Lobt der Rezensentin. Der Grausamkeit der Geschichte, die auf wahren Ereignissen beruht, setze die Autorin ihre "schnelle, laute, brutale" Erzählweise entgegen. Damit, so die Rezensentin anerkennend, dokumentiert sie ein "fast vergessenes Kapitel" aus der Geschichte des zweiten Weltkriegs.
5.) Theo Engelen: "Schatten aus der Vergangenheit"
Ganz kurz geht die Rezensentin noch auf diesen Jugendroman ein, den sie trotz seines völlig anderen Ansatzes dennoch lobenswert findet. Sie sieht in dem Buch, dass einen Jungen die Geister zweier vor 50 Jahren auf dem Dachboden seines Elternhauses untergetauchten jüdischen Kinder entdecken lässt, als ein Stück "Vergangenheitsbewältigung" und lobt es als "spannende" Familiengeschichte.