Andrej Bulbenko, Marta Kajdanowskaja

Elektrizität und Himmelsfische

Eine Fluchtgeschichte über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten
Cover: Elektrizität und Himmelsfische
dtv, München 2024
ISBN 9783423641197
Gebunden, 192 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja und Henriette Reisner. Der Tag beginnt wie viele Tage zuvor - und endet in einer Katastrophe. Die 14-jährige Marzia erzählt, wie sich von jetzt auf gleich ihr Leben komplett und für immer verändert. Wie aus dem Nichts zwingt ein plötzlicher Raketenbeschuss Marzias Familie zum sofortigen Verlassen der Stadt. Nur mit dem Notwendigsten setzen sie sich in Opas Wagen und fahren - Mutter, Vater, sie, die kleine Schwester und die Großeltern - Richtung Grenze. Auf dieser Flucht erleben sie Gewalt, Not, Willkür und Demütigung und geraten in absurde, surreale Situationen, bis sie schließlich ein Motel an einer Grenze erreichen. Dort übergibt Marzia ihre Tagebuchaufzeichnungen einem Schriftsteller, Andrej Bulbenko, mit der Bitte, er möge sie erst lesen, wenn sie sich nach Ablauf einer Woche nicht bei ihm gemeldet habe. Marzia meldet sich nicht, und Bulbenko beginnt zu lesen …

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2024

Rezensentin Susan Vahabzadeh hält das Buch von Adrej Bulbenko und Marta Kajdanowskaja für starke Lektüre. Vom Krieg aus Kinderperspektive zu erzählen, heißt auch, geopolitische Verhältnisse außen vor zu lassen und sich auf den Verlust des Zuhauses und die Strapazen einer Flucht zu konzentrieren, lernt die Rezensentin. Ob es nun um die Ukraine geht oder nicht, ist nicht so wichtig. Wichtiger sind die Momente konkreter Poesie in diesem außergewöhnlichen Buch und dass die Autoren nichts beschönigen, meint Vahabzadeh. Groteskes und Bitteres sind nah beieinander in dieser Geschichte über Krieg und das Davonkommen, Humor und Leid auch, erkennt die Rezensentin sichtlich beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.08.2024

Ein eindrückliches Jugendbuch über Flucht haben Andrej Bulbenko und Marta Kajdanowskaja, beziehungsweise jene beiden Autoren, die sich hinter diesen Pseudonymen verbergen, geschrieben, meint Rezensentin Sylvia Schwab. Der Hauptteil des Buches funktioniert laut Schwab wie eine Road Novel: Eine Familie macht sich nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine auf dem Weg in Richtung erhoffter Sicherheit und bleibt dabei vor allem im Stau stecken, teils auch wegen der Sturheit des Großvaters, der den Wagen lenkt. Sie erleben allerlei nur auf den ersten Blick Komisches, heißt es weiter, ein fahrender Zoo kommt vor, ein Junge mit einer verletzten Schlange taucht auf. All das verweist freilich stets nur auf die Gewalttaten der russischen Armee, stellt Schwab klar. Erzählerin ist die 14-jährige, bereits weltkluge und sehr sprachgewandte Tochter der Familie, die schließlich, das ist Schwab zufolge die Rahmenhandlung, ihre Aufzeichnungen an einen Schriftsteller übergibt. Ein erzählerisch und sprachlich herausragendes, anspielungsreiches Buch ist das, freut sich Schwab, die bis zum Schluss mit der flüchtenden Familie im Zentrum der Handlung mitfiebert.

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