Als das Dienstmädchen Eva am Vorabend des Ersten Weltkriegs ihrem Leben in der Donau ein Ende setzen möchte, wird sie stattdessen in die Arme des jungen Infanterieleutnants Alois Kozusnik gespült. Statt ihres Lebens verliert sie ihre Unschuld. Es ist der Startpunkt einer epischen Geschichte, die sich aus drei großen Erzählsträngen zusammensetzt und sich bis in die heutige Zeit fortspinnt. Was macht den Menschen aus? Wie durchlebt und übersteht er Jahre der Unterdrückung und Gewalt? Wie schafft er es immer wieder, Kraft zu schöpfen, zu hoffen und zu lieben? Dimitré Dinev erkundet in seinem Roman die Geschichte Europas und die zentralen Fragen des menschlichen Zusammenlebens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.01.2026
Als "finster-farbenfrohen Karneval" zieht die Geschichte Europas in Dimitré Dinevs Donauroman vorbei, stellt Rezensent Paul Jandl fest. Ein "monumentaler Roman", der auf sehr verzweigten Wegen drei Familiengeschichten erzählt. Es ist kaum möglich, die verzweigten Stammbäume der Geschichte zu rekonstruieren, erklärt Jandl, zur zentralen Figur wird aber der Wehrmachtssoldat Leopold, der sich zunächst einem Trupp von Roma anschließt, später jedoch von Rotarmisten exekutiert wird und wie durch ein Wunder mit einer Kugel im Kopf überlebt. Dabei verliert er jedoch sein Gedächtnis, und nimmt fortan immer wieder Identitäten an. Fantastisches, historische Fakten und Mythologie gehen hier eine faszinierende Symbiose ein, so Jandl, der sich auch an den Schelmenroman erinnert fühlt. Der Unmenschlichkeit von Diktaturen wird dabei die Liebe unter Ausgestoßenen entgegengesetzt, was dem Kritiker durchaus gut gefällt. Weniger gut gefallen ihm allerdings die würdelosen, "klebrigen" Sexszenen. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt - insgesamt schildert Jandl Dinevs Roman als einen großen Wurf, der an die karnevalesken Traditionen osteuropäischer Literatur anschließt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2025
Rezensent David Hugendick warnt vor: Am besten begibt man sich eine Woche in Klausur, um dieses "monumentale" und herausfordernde 1200-Seiten-Werk Dimitré Dinevs konzentriert lesen zu können. Dann aber wird der Leser entlohnt mit einem prächtigen Ritt durch das 20. Jahrhundert, zusammengesetzt aus Geschichten, Schicksalen und Verästelungen - und vor allem einer Vielzahl von Figuren, die mitunter so schnell auftauchen wie sie wieder im "uferlosen" Romangeschehen versickern, verspricht der Kritiker. Er begegnet Wehrmachtssoldaten, brutalen Lageraufaufsehern, Kommunistenoffizieren, aber auch Figuren am "Wegesrand" der Geschichte, darunter Fischern, Hirten und Lazarettschwestern, die wiederum ihre weitverzweigten Stammbäume ausbreiten und Hugendick durch die Gewaltgeschichte Deutschlands, Österreichs, Russlands und vor allem Bulgariens führen. So sehr der Kritiker mitunter ächzt unter dem Überschuss an geradezu "altväterlicher" Erzählkunst, wird er doch nicht zuletzt auch mitgerissen durch die zahlreichen Stilregister, die zwischen "Derbheit und kargster Nüchternheit, blumigster Ironie und mystisch verwehtem Märchen" changieren. Und zum Luftholen überliest man einfach die misslungenen Sexszenen, rät er.
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