Schmerzen, körperliche Erschöpfung, Erosionen oder Spuren zeitlichen Verfalls und ähnliches verweisen auf Erfahrungen, die sich diskursiver Einholung nicht ohne weiteres fügt. Mit dem Formlosen, der bloßen Materialität oder dem Chaos assoziiert, widersetzen sie sich den generellen Begriffen des Textes und des Verstehens. Zudem verweigern sie sich ihrer Entschlüsselung als Konstruktion im Sinne ihrer begrifflichen Bezeichnung und Unterscheidung wie auch ihrer Inszenierung als einer ästhetischen Praxis, weil sie in allen ihren Hervorbringungen als eine nicht aufgehende Heterogenität immer schon mitschwingen. Denn es gibt keine Arbeit ohne den Rest, keinen Diskurs ohne das Nichteinholbare oder Undarstellbare, keine Technik ohne Versagen, kein Denken ohne die Widerständigkeit der Dinge, worin sie ebenso sehr verwickelt sind, wie sie diese verleugnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2010
Jochen Hörisch hat mit Gewinn zwei Bücher über Hermeneutik und Posthermeneutik gelesen. Wie schon Emil Angehrn in seinem Buch zur Hermeneutik geht es Dieter Mersch in seiner Studie um das "schlechthin Unverständliche", nämlich das, was die menschliche Existenz ausschließt, seine Nicht-Existenz. Mersch, der sich hier dezidiert mit Derridas Dekonstruktion auseinandersetzt, spricht von einer "präsenten Abwesenheit", so der Rezensent angeregt. Er folgt interessiert Merschs sich in der Tradition Schellings und Heideggers bewegenden Ausführungen, wobei auch Wittgensteins "paradoxes Bemühen", das Unsagbare zu Sagen, einfließt, wie er wissen lässt. Nicht recht einsehen kann der Literaturwissenschaftler und Medienwissenschaftler Hörisch, dass der Autor genauso wie Emil Angehrn, dessen Buch "Sinn und Nicht-Sinn" er als dazu anregend "komplementär" gelesen hat, so gar keine Texte oder Kunstwerke zur Interpretation heranzieht.
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