Dieter Borchmeyer

Mozart oder die Entdeckung der Liebe

Cover: Mozart oder die Entdeckung der Liebe
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783458172673
Gebunden, 425 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Der Theater- und Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer untersucht, wie Mozart sich in seinen großen Opern mit dem Thema "Liebe" auseinander gesetzt hat. Der Autor lässt die Werke durch seine außergewöhnliche Betrachtungsweise in einem neuen Licht erscheinen und gibt zugleich Einblick in das Leben des Künstlers, dessen eigene Liebesheirat gegen die Konventionen seiner Zeit verstieß.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2006

In seiner Besprechung neuerer Mozart-Bücher hebt Tim Gorbauch Dieter Borchmeyers Buch "Mozart oder Die Entdeckung der Liebe" hervor, das ihn "mit einer staunenswerten Gelehrsamkeit" verblüffte. Borchmeyer, so umreißt Gorbauch den zentralen Gedanken des Buchs, interpretiert die Liebe in Mozarts Opern auf der Folie der großen Veränderung, die sie im 18. Jahrhundert erfahren hat, als sich die "galante" Liebe in eine "empfindsame" verwandelte. Imposant nennt Gorbauch diese Arbeit, dass dem gelernten Germanisten mithin der Biss im musikalischen Detail fehlt, stört ihn daher nicht sonderlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2005

Die Liebe bei Mozart, so die These von Dieter Borchmeyer, ist eine Sache des Augenblicks. Was geschieht, wird anders nicht plausibel denn als so plötzliche wie unwahrscheinliche Wirkung von Liebe. Kenntnisreich, so der Rezensent Wolfram Goertz, beschäftige sich der Autor mit dem Personal im Mozart-Repertoire und berichte über die empfindsamen Tenöre. Man erfährt, was nicht stimmt mit den Don-Juan-Darstellungen des 19. Jahrhunderts, und "wie viel Marivaux in Mozart steckt". All das findet der Rezensent sehr interessant und lehrreich, allein: es hilft nichts. Borchmeyer hat nämlich, seufzt Goertz, vom rein Musikalischen zu wenig Ahnung. Er kann daher seine Deutungen nicht ausreichend mit Lektüren der Partitur unterfüttern. Und ein weiteres Manko benennt der Rezensent: "sprachliche Lässigkeiten", Formulierungen, die sich gelegentlich dem "Unsinn" nähern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Reinhard J. Brembeck nimmt Dieter Borchmeyers Abhandlung über "Mozart oder die Entdeckung der Liebe" nicht recht ernst. Er nennt die Studie "geistreich plaudernd" und stellt nachdrücklich fest, dass Borchmeyer weder "ein Stendhal, Ibn Hazm oder Arcipreste de Hita" sei, also kein Großtheoretiker der Liebe. Noch das Lob gerät zweischneidig, etwa wenn der Rezensent anerkennt, dass der Heidelberger Germanist mit "Lust an Abschweifungen" schreibt und in "Zitate verliebt" ist. Man könnte ja auch von "großer Gelehrsamkeit" oder "überragender Sachkenntnis" sprechen, doch das tut Brembeck nicht, und das liegt daran, dass Borchmeyers musikologische Unbeschlagenheit in ihm ein generelles Unbehagen erzeugt, ist Oper doch in erster Linie Aufführungspraxis. Daran liegt es auch, dass Borchmeyer sich nicht wirklich in sein Thema hineintraut, stellt Brembeck fest, denn er kann "seine Musikanalysen nicht selber ... machen". Dass das Buch "etwas fragwürdig und angreifbar" ist, zeigt der Musikfachmann der SZ an Borchmeyers Kernthese auf, wonach der in den Mozartschen Opern vorgeführte Tenor ein "Mann der Zukunft" sei. Da erhebt Brembeck Einspruch. Gibt es nicht reichlich Anzeichen dafür, dass Mozart diesem Typus durchaus kritisch-ironisch gegenüber steht? Brembeck spricht von "negativen Zügen", die dem Tenor anhafteten, und vor allem "geht er aus keiner Mozartoper fleckenlos rein als Sieger" hervor.
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