Mozarts Opernfiguren sind herausragende musikalische und dramatische Charaktere des Musiktheaters. Werner Wunderlich analysiert die psychologisch differenzierten und theatralisch überaus wirkungsvollen Bühnenfiguren. Jenseits bloßer Herrscherhuldigung oder stereotyper Fürstenideale werden Mozarts Regenten in Konflikte zwischen den Anforderungen der Macht und den Forderungen der Liebe gestürzt. Vor dem Hintergrund des aufgeklärten Absolutismus und im zeitlichen Horizont der Französischen Revolution werden durch Text und Musik Hoffnungen und Sehnsüchte, Tugenden und Laster, Mut und Schwächen von Regenten im oft widerspruchsvollen menschlichen Handeln dargestellt. Mozarts Herrscher sind aber auch politisch-soziale Katalysatorfiguren. Sie machen bewusst, dass Ordnungen und Beziehungen zugrunde gerichtet werden, wenn Machtträger ihre Handlungen nicht auf ethische Werte gründen und sittlich rechtfertigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2009
Unzufrieden zeigt sich Michael Stallknecht mit Werner Wunderlichs Analysen vom Herrscherbild in Mozarts Opern, der darin im Kern Ivan Nagels von 1985 vorgelegter Interpretation der "opera seria" als Untergrabung absoluter fürstlicher Macht folgt. Grundsätzlich überzeugend findet der Rezensent zwar die Auslegung, dass die Fürsten in den Libretti bei Mozart zur "moralischen Läuterung" und zur Selbstbeherrschung aufgefordert werden, somit die absolutistische Macht des Herrschers untergraben wird. Dass sich Wunderlich allerdings gänzlich auf die Opern mit antiken Herrschern beschränkt und Fürstenfiguren wie Sarastro oder Figaro nicht miteinbezieht, ist dem Rezensenten methodisch nicht einsichtig. Außerdem stört er sich daran, dass der Autor sich eines "Gesamtbefundes" enthält und stattdessen "ziemlich bieder" für jede Oper einzeln erst die Quellen offen legt, um dann ihre politischen Implikationen zu analysieren. Um die "rasanten Umbrüche" im 18. Jahrhundert zu durchdringen, die sich an den Opern durchaus ablesen lassen, greift Stallknecht dann doch lieber wieder zu Ivan Nagels Buch.
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