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Jan Assmann

Die Zauberflöte

Oper und Mysterium
Cover: Die Zauberflöte
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446206731
Gebunden, 383 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Die Zauberflöte - Mozarts populärste Oper gibt auch die größten Rätsel auf. Wer ist gut, und wer ist böse? Mozarts Zeitgenossen fanden sich in dieser Welt zurecht, denn sie entdeckten in der Geschichte Hinweise auf die Freimaurerei, auf ihre Vorstellungen vom alten Ägypten und auf die damit verbundene Mysterienkultur. Alles Hintergründe, die in den letzten beiden Jahrhunderten in Vergessenheit geraten sind. Jan Assmann bringt sie uns wieder nahe und öffnet Augen und Ohren für eine Oper, die wir längst zu kennen glaubten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2005

Diese Studie ist vieles auf einmal: Zum einen klärt der Ägyptologe Jan Assmann viele historische Hintergründe der "Zauberflöte" auf - vor allem, indem er sich der Geschichte der Freimaurerei im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts widmet. Im Grunde, so der Rezensent Wolfgang Kemp, lese sich das von Assmann dabei herauspräparierte Programm wie ein "Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft". Es sei in erster Linie um die Frage nach "Mysterien in Geschichte und Gegenwart" gegangen. Und genau das sei dann auch ein zentraler Punkt in der "Zauberflöte". Nicht das konkret Ägyptische der Mysterien habe Mozart und Schikaneder interessiert, sondern der Ritus, der, um ein nicht vorhandenes Geheimnis herum, zur Botschaft des Mysteriums werde. Ihren Gipfelpunkt finde die Oper in Assmanns Lektüre jedoch auf vertrauterem Gebiet, nämlich in der "verwandelnden Macht der Liebe". Der Rezensent, der noch einige weitere Einzelaspekte entfaltet, scheint Schritt für Schritt bereit, dem Autor bei seinen Erläuterungen und Deutungen zu folgen. Vor allem den Disziplinen übergreifenden Reichtum der Studie findet er großartig, denn der Ägyptologe habe hier "ein close hearing" vorgelegt, "das an Eleganz und Evidenz viele musikologische Arbeiten übertrifft."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Da capo! Hans-Klaus Jungheinrich applaudiert Jan Assmann für dieses "profunde" Buch über den historischen Hintergrund von Mozarts "Zauberflöte. Nicht nur die Berge der bereits erschienenen Literatur über die Oper habe der Ägyptologe "souverän" gesichtet, auch seine eigenen Gedanken zu Musik und Text bringt "mancherlei neue Einsichten" wie kritische Einschätzungen zu Tage, freut sich der Rezensent. Assmann halte das oftmals belächelte Libretto Emanuel Schikaneders nicht für chaotisch, sondern erläutere "wohlbegründet", dass Schikaneders Absicht, ein Aufnahmeritual in der Manier des Märchens und den Mitteln des Wiener Volkstheaters darzustellen, in späteren Inszenierungen einfach nicht mehr verstanden wurde. Und die zahlreichen Widersprüche des Stücks erkläre sich Assmann mit dem freimaurerischen Hintergrund sowohl von Mozart als auch Schikaneder. Jungheinrich hat an dieser Argumentation nichts auszusetzen, es stört ihn einzig und allein, dass Assmann Hofmannthals und Strauss' Zauberflöten-Reprise "Frau ohne Schatten" nicht behandelt. Insgesamt aber eine "spannende Lektüre", die Jungheinrichs Interpretationshorizont wesentlich erweitert hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Reinhard J. Brembeck findet Jan Assmanns Studie "Die Zauberflöte" "etwas fragwürdig und angreifbar". Warum? Weil der Autor, der Musikologie fremd, mit den Noten eine "leicht angestrengte Art" des Umgangs pflegt. Und dieses Handicap nimmt der ganzen Arbeit die Plausibilität. Gern gelesen hat der Musikexperte Brembeck die Auslassungen des Ägyptologen über ägyptologische Motive in der "Zauberflöte", über das Werk als Initiationsritual, über Verbindungen der Handlung zum Orpheus-Mythos. Doch die Musikanalysen ... Leise schüttelt Brembeck den Kopf. Deutlich setzt er sich als kritischer Praktiker ab vom akademischen Theoretiker. Denn auch mit dem Gespür für das szenische Potenzial der Oper hapert es nach seinem Empfinden beim Wissenschaftler. Wie reichlich Mozart Ironiesignale in den ersten Minuten verstreut - Assmann überliest es glatt! Die "Zauberflöte" einsinnig zurechtzubügeln, das wirke "schlicht ernüchternd", so Brembecks Fazit. Ihm bleibt ein leises Unbehagen angesichts dieser gelehrten Entdimensionierungsarbeit.
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