Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Mit einem Nachwort über Neukaledonien und Kafka von Klaus Wagenbach. Was ein Menschenfresser zur Zeit der großen Kolonialausstellung in Paris erlebte. Wie er dorthin und wieder nach Hause kam.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2002
Zu diesem Roman fällt Martin Krumbholz ein Theaterstück ein, das im Rokoko spielt: "Der neue Spinoza" von Jacob Michael Reinhold Lenz. Daeninckxs Erzählung spiele zwar zu einer völlig anderen Zeit, nämlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, zur Zeit der Völkerschauen, aber ansonsten zeugt die Umkehrung der Perspektive für den Rezensenten vom gleichen dramaturgischen Trick: ein vermeintlich ungebildeter Wilder kommt in die vermeintlich gebildete Welt der Europäer - und nicht er, sondern diese stellt sich als kannibalistisch heraus. Und wie bei Lenz, schreibt Krumbholz, ist das ganze eine Komödie und geht gut aus, denn der besagte Kanak aus dem französisch kolonialisierten Neukaledonien sucht - und findet - seine Freundin, die an einen Frankfurter Zirkus weitergereicht worden war. Daeninckx schildert die Geschichte konsequent in der Ich-.Form, aus der Perspektive des Opfers, "das sich von der Opferrolle emanzipiert", so der Rezensent. Die Einbettung der Geschichte in eine Rahmenhandlung tue ihr insofern gut, als sie eine Distanz schafft, die der Geschichte mehr Schärfe verleiht und weniger Betroffenheit erzeugt, lobt Krumbholz.
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