Martin Caparros

Väterland

Roman
Cover: Väterland
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783803133236
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem argentinischen Spanisch von Carsten Regling. Buenos Aires, 1933. Die Krise ist überall, die Stadt ein Pulverfass. Ablenkung bietet nur der Fußball, der gerade als Volksdroge entdeckt wird. Ausgerechnet jetzt verschwindet der berühmteste Spieler des Landes - angeblich um mehr Gehalt von seinem Verein River Plate zu erpressen. Oder hat er doch etwas zu tun mit dem mysteriösen Tod eines Mädchens aus der Oberschicht? Andrés Rivarola, ein charmanter Tagedieb und verhinderter Tangodichter, will eigentlich nur einem Bekannten, dem Kokain-Dealer des Fußballers, aus der Patsche helfen. Mit dabei: Raquel, eine polnische Jüdin mit zurückgegelten roten Haaren, die elegante Herrenanzüge trägt und wenig von festen Bindungen hält. Sie ist entschlossen, die Wahrheit über den Tod ihrer Freundin herauszufinden. Ungebremst schlittert das Duo in eine politische Verschwörung hinein, die um einige Nummern zu groß ist für die beiden.
Martín Caparrós lässt das Buenos Aires der dreißiger Jahre lebendig werden: halbseidene Bars, verqualmte Zeitungsredaktionen, skurrile Nebenfiguren, Dichtercafés, faschistische Aufmärsche, dampfende Schlachthöfe - ein Tango am Abgrund.

Im Perlentaucher: Armer reicher Junge

Die kriminalistischen Elemente sind nicht das Wichtigste an diesem Roman, der eher auf den Sturz reaktionärer Säulenheiliger zielt. Darin ähnelt er den historischen Romanen Andrea Camilleris, der auch so gern die sizilianische Dreifaltigkeit aus Kirche, Adel und Mafia attackierte. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.05.2020

Rezensentin Katharina Döbler amüsiert sich prächtig mit diesem argentinischen Roman Noir des Journalisten und Schriftstellers Martin Caparros. Alles, was einem zu Argentinien einfällt - Tango, Fußball, Rinderbarone, Anarchismus und Rechtsextremismus - spieße der Autor hier mit satrischem Witz auf, freut sich die Kritikerin. Sie begegnet hier fetten Schlachthofbesitzern, jungen - teils der Realität entlehnten -  Dichtern und toten Faschistentöchtern, erfährt nebenbei etwas über argentinische Geschichte und Politik und feiert mit Caparros leidenschaftlich den Tango.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.05.2020

So ganz verstehen, findet Rezensent Dirk Fuhrig, kann diesen Roman nur, wer sich mit den heiligen Kühen Argentiniens auskennt, dem Fußball, dem Dichter Borges - und eben der Bedeutung der Rinder und ihres Fleisches; hinzu kommt noch die unheilvolle Ökonomie des Landes und sein Drogenproblem. Massenhafte Anspielungen in der so angerührten Melange einer den Kritiker nicht vollständig überzeugenden Handlung erwartet das Publikum. Vieles findet Fuhrig, der sich in der argentinischen Geschichte seinerseits gut auskennt, aber auch gelungen. Er lobt die dem Roman unterliegende klare Analyse der Verhältnisse und der Witz des "Loser-Helden". Es scheint, dass er sich alles in allem und obwohl er die Sprache etwas "schwergängig" fand, doch immerhin gut unterhalten hat.