Dezsö Kosztolanyi

Ein Held seiner Zeit

Die Bekenntnisse des Kornel Esti
Cover: Ein Held seiner Zeit
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783871344893
Gebunden, 297 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. Wer ist Kornel Esti? Ein Bohemien und Bürgerschreck, ein Mephisto der Moderne, der im eleganten Budapest sein Unwesen treibt, eine der lebendigsten Fiktionen, die jemals zu Papier gebracht wurden. Sein Schöpfer ist ein braver Bürger, zu feige, um gegen gesellschaftliche Konventionen zu verstoßen. Doch da er fabelhaft schreiben kann, ersinnt er sein Alter ego Kornel Esti und gewährt ihm jede erdenkliche Freiheit.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.12.2004

Peter Esterhazy bezeichnet Deszo Kosztolanyi als größten ungarischen Autoren, und Gerrit Bartels hat gegen den Superlativ nichts einzuwenden. Der vorliegende Roman, 1933 in Ungarn erschienen, erzählt die Geschichte von einem "Lebemann und Luftikus" in den Worten eines "Spießbürgers" - beide zusammen sind, so Bartels, mit dem Autor identisch. Anstatt einer durchgehenden Story gibt es lauter Episoden, die Bartels zufolge vor allem in Kaffehäusern und Zügen spielen - der Held ist ein Bohemien und Streuner durch die Wirklichkeit. Aber: "Bei aller spielerischen Leichtigkeit dieser Esti-Novellen, bei all ihren Bizarrerien und Skurrilitäten" verliere Kosztolanyi "das Wesentliche nicht aus dem Auge: den Menschen hinter dem Menschen zu entdecken", so Bartels, "die vielen Seelen, die in einer Brust schlummern, die vielen Wahrheiten".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.11.2004

Die deutschen Leser, zitiert Nicole Henneberg den ungarischen Schriftsteller Peter Esterhazy aus seinem Nachwort, hätten zunächst Sandor Marai und Antal Szerb kennen- und schätzen gelernt, was insofern bedauerlich sei, als diese Bekanntschaft eigentlich in umgekehrter Reihenfolge hätte stattfinden sollen, da sich alle Literatur in Ungarn auf Dezsö Kosztolanyi bezöge. Er sei eindeutig der modernere und wegweisendere Autor gewesen, da er sich programmatisch zur Moderne bekannt und dieser verpflichtet gefühlt habe. Die nun veröffentlichten Erzählungen oder Novellen stammen aus den Jahren 1925 bis 1933, die Übersetzerin habe sie in eine chronologische Reihenfolge gebracht und im übrigen auch gute Arbeit geleistet, fügt Henneberg hinzu. Kornel ist das Alter Ego des Autors, erzählt die Rezensentin, ein dunkler Wiedergänger, der im Stil klassischer Schauer- und Gespenstergeschichten sein Unwesen in den Erzählungen treibt und erst im Laufe der Erzählungen zu einer (Autoren)Persönlichkeit und einem melancholischen Zyniker heranreift, der das Budapest der 20er Jahre unter die Lupe nimmt. Aus Kornel wird Esti, erklärt Henneberg, doch auch Esti lasse sich im Zweifelsfall lieber von der Libido als von der Moral treiben, weshalb er sich zwar von einem Schnorrer ewig terrorisieren lasse, sich aber dessen dann in Nullkommanichts entledige, als dieser plötzlich anfange, schlechte Gedichte zu schreiben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

In den vergangenen Jahren sind mit Sandor Marai und Antal Szerb, zwei in ihrer Bedeutng nicht unumstrittene ungarische Autoren, zu spätem Ruhm in Deutschland gelangt; mit Dezsö Kosztolanyi steht nun ein "anderes Kaliber" an, frohlockt Karl-Markus Gauß. Ein "Stilkünstler", der gerühmt wird, das "eleganteste Ungarisch" seiner Zeit geschrieben zu haben. Das wieder aufgelegte Buch "Held seiner Zeit" ist nun eigentlich eine Novellensammlung und kein Roman, wie der Rezensent informiert. In siebzehn von Stil und Konstruktion her "durchaus verschiedenartigen" Einzelstücken werden Szenen aus dem Leben des Kornel Esti erzählt, den Gauß als eine der "charmantesten Gestalten" der ungarischen Literatur und populärste Figur Kosztolanyis vorstellt. In vielen der Episoden entdeckt der Rezensent "Bizarres", und "alle tragen den Exzess als Potenzial in sich". Diese "abgründige Prosa" wird mit viel "Sprachwitz" und "solcher Leichtigkeit" vorgetragen, dass dem Rezensenten nur eine finale und ehrfürchtige Verbeugung bleibt: Was das Buch auszeichne, sei die "Elegance über dem Abgrund", die aus allen Novellen gleichermaßen herüber wehe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.09.2004

"Weltenschwere und höchste Leichtigkeit" vereint "in so eleganter Mischung" - da kommt Rezensent Robin Detje aus dem Schwärmen gar nicht heraus. Der Novellenzyklus "Held seiner Zeit" des ungarischen "Dichterfürsten" Dezsö Kosztolanyi hat es ihm wirklich angetan. Das Buch sei nämlich - wie der Rezensent euphorisch versichert - nicht weniger als ein "Universalgemälde der menschlichen Existenz", wie es "vollständiger" kaum sein könne. Kosztolanyi, der laut Detje die "gesamte Geistesexplosion der Kunstmoderne" mitgemacht hat, macht sich in diesem Spätwerk "abgeklärt" über genau diese lustig. Hauptfigur ist der "modernistische Dichter" und Bohemian Kornel Esti, aus dessen selbsterzählten Lebensgeschichten von der Einschulung bis ins hohe Alter sich das Buch zusammensetzt. Rezensent Detje zitiert ausführlichst aus diesen Episoden, wobei ihm besonders die Erzählung einer Deutschlandreise, bei der der Protagonist in "schreckliche Deutschwut" gerät, zusagte. In Sachen "Komik" und "tiefem Wahrheitsgehalt" könne sie es locker mit "Asterix bei den Goten" aufnehmen, so Detjes Lob. Ebenso lobt er die Übersetzerin Christina Viragh für ihre "weißseidene, kaum sichtbar aufblitzende" Übertragung. Und der Dichter Kosztolanyi ist für Detje jenseits allen Lobes: "Deszö Kosztolanyi war ein Genie, vielleicht auch ein Gott."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.08.2004

Über den "wunderbar wirbeligen" Kaffeehaus-Roman von Dezsö Kosztolanyi freut sich Rezensent Dieter Hildebrandt. Das Buch, eine "ungarische Rhapsodie" aus dem Jahr 1933, erzählt insgesamt 18 Episoden aus dem Leben des fiktiven Helden Kornel Esti, der mit der Hin- und Hergerissenheit seines Seelenlebens zu kämpfen hat. Der Roman ist ebenfalls zugleich "Divertissement und Experiment", Maskerade und Konfession, findet der Rezensent und stellt den Autor in eine Reihe mit Kästner, Tucholsky oder Mehring. Besonders beeindruckt zeigt sich der Kritiker von Kosztolanys Gabe, "grausig-sinnlich" subtil zu schreiben und Szenen voller atmosphärischer "Beschwörungskraft" zu zaubern.
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