Szilard Rubin

Kurze Geschichte von der ewigen Liebe

Roman
Cover: Kurze Geschichte von der ewigen Liebe
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783871346316
Gebunden, 220 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Andrea Ikker. Attila und Orsolya können voneinander nicht lassen. Sie lieben und sie hassen sich. Und trennen sich schon vor der Hochzeit und dann wieder in der Hochzeitsnacht, um schließlich ihr Leben lang getrennt vereint zu sein. Dieser Roman, der 1963 in Ungarn das erste Mal erschien und nach seiner kürzlichen Wiederentdeckung für Furore sorgte, erzählt von einer Amour fou, einer Liebe, die durch die Verhältnisse ruiniert wird. Mädchen aus gutem Hause verliebt sich in armen Poeten und umgekehrt. Aber das ist ganz und gar keine alltagstaugliche Liebe. Wenn er sie nicht gerade küsst und herzt, quält und demütigt Attila seine Orsolya, diese wiederum rächt sich mit subtilen Bosheiten auf das Fürchterlichste. Dass Orsolya im sozialistischen Regime wider Erwarten Fuß fassen kann, während Attila trotz Staatsschreiberei kein Bein auf den Boden bekommt, macht die Sache für den so ehrgeizigen wie überreizten jungen Mann nicht einfacher.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2009

In Szilards Rubins Roman "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe" findet Thomas Steinfeld eine Reihe von Szenen, die verfehlte Erwartungen beschreiben. Die zwei Liebenden Attila und Orsolya müssen immer wieder erkennen, dass sich ihre Gefühle auf absurde Weise ständig verändern, beharrlich gegen den eigenen Willen. Die resignierende Befremdung der Protagonisten lässt Steinfeld staunen, er fragt angesichts der Erstveröffentlichung des Romans im Jahr 1963, wie damals, im sozialistischen Ungarn, so viel Existentialismus zutage treten konnte. Der Roman wirkt auf den Rezensenten "ungleich klüger" als die Idee der "notwendigen Unaufrichtigkeit" des französischen Existenzphilosophen Sartre. Denn hier wissen alle Beteiligten um die Befindlichkeiten der anderen, niemand belügt sich oder den anderen und trotzdem oder gerade deswegen straucheln sie. Für den Rezensenten ergeben die verschiedenen Szenen zusammen ein harmonisches Bild, denn er glaubt den Personen im Buch, und er glaubt dem Autor. Am Ende ist er sogar so weit, diesem jede arglose Allegorie abzunehmen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.06.2009

Jörg Plath kann es nicht fassen. Vierzig Jahre wusste kaum einer etwas von diesem Roman. Dabei, findet er, hat das Buch das Zeug zum Evergreen. Die Unbedingtheit zweier Liebenden vor dem Hintergrund von Krieg und Stalinismus, die Geschichte einer Amour fou gegen alle sozialen und ethnischen Schranken im kommunistischen Ungarn der Nachkriegszeit scheint Plath absolut gegenwärtig. Für ihn liegt das an Szilard Rubins unaufdringlicher Erzählweise. Poetisch und illusionslos, so Plath, widersteht der Roman dem Morast der nahen Vergangenheit und der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2009

Dieser 1963 zuerst erschienene Roman sei eine der bedeutenden Schöpfungen nicht nur der ungarischen, sondern auch der europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts" schreibt Rezensent Laszlo F. Földenyi aus Anlass der deutschen Neuausgabe des Romans. Denn Szilard Rubin biete darin "ein sowohl historisch als auch soziologisch spannendes Bild Ungarns" aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch liegt für ihn die eigentliche Bedeutung des Buches in der existenziellen Vertiefung der "Geschichte seiner in diversen Fallen zappelnden Figuren" . Die Illusionslosigkeit seiner Schilderung macht Rubin aus Földenyis Sicht zu einem Verwandten Celines und Genets. Und den Protagonisten des Romans, Attila, zu einem Verwandten der Figuren der großen existenzialistischen Literatur. Im Zentrum beschreibt er das Paar Attila und Orsolya - Attila sei aufgrund jüdischer Vorfahren während des Krieges verfolgt Orsolya wegen deutscher Wurzeln privilegiert gewesen. Im kommunistischen Nachkriegsungarn nun habe sich das Verhältnis umgedreht. Zu den vielfältigen Spannungen zwischen Oben und Unten, Herr und Diener, Mächtigem und Ausgeliefertem kommt den Informationen des Rezensenten zufolge auch die Leidenschaft zwischen Mann und Frau.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009

Ingeborg Harms kann es nicht fassen: Dieses Kleinod von einem Roman hat die Welt noch nicht gelesen! Mühelos vollkommen erscheint ihr das bei seiner Erstveröffentlichung 1963 wegen seiner Ideologiefreiheit kaum beachtete Buch um die Befreiung eines jungen, liebenden Menschen vom Besitzdenken und das Geschenk des "interesselosen Wohlgefallens an der sinnlichen Fülle der Dinge". Harms gefällt der glasklare Ton, den Szilard Rubin anstimmt, und die versunkene Welt, die der Text beschwört: ländliche Szenerien im Ungarn der Nachkriegszeit. Die Art, wie Rubin vorgeht, seine Konzentration auf Taktiles und "gelebte Zeit" und die sensorisch feine Beobachtung des Seelenlebens seiner Figuren, von Scham und Melancholie, machen das Buch für Harms zu einem der aufregendsten Liebesromane des 20. Jahrhunderts.
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