Szilard Rubin

Eine beinahe alltägliche Geschichte

Roman
Cover: Eine beinahe alltägliche Geschichte
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783871346880
Gebunden, 160 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Levente Rostas, Schriftsteller mittleren Alters, weilt in einem Sanatorium in Harkany, wo er sein Kreuz kurieren soll. Eigentlich aber haben seine Freunde ihm diese langweilige Kur eingebrockt, um ihn von seiner unseligen Liebe zu Piroska zu heilen, mit der er ihnen seit geraumer Zeit auf die Nerven geht. Da hockt er nun unangenehm weit weg von Filmfestspielen, Gelagen und glamourösen Empfängen und blickt wehmütig und mit beißendem Humor auf bewegte Jahre in Budapester Künstlerzirkeln zurück, auf frühere Erfolge und auf seine Kindheit in der Nachkriegszeit. Leider vermag die verordnete Auszeit den Liebeskranken ganz und gar nicht von seiner Fixierung auf Piroska zu kurieren, die nicht nur kaltschnäuzig und fordernd ist, sondern "eine richtige Raubkatze, die eigentlich Großwild jagen möchte; da aber ihre Nase schlecht ist, wird sie immer wieder Opfer von Tagedieben, die es auf ihr Fell abgesehen haben."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2010

Katharina Teutsch bejubelt die Wiederentdeckung des in diesem Jahr gestorbenen ungarischen Autors Szilard Rubin als "Sternstunde" der Literatur und hat auch dessen zweiten auf Deutsch erschienenen Roman mit großer Faszination und Begeisterung gelesen. In diesem Buch begibt sich der Ich-Erzähler zum Auskurieren seiner Krankheiten und seines Liebeskummers in ein ungarisches Kurbad, wo er sich nicht nur eines anderen Kuraufenthalts in Karlsbad, sondern auch intensiv an seine Vergangenheit erinnert, erfahren wir. Beeindruckend für die Rezensentin, dass auch hier deutlich wird, wie tief die historischen Erfahrungen und "Kriegswunden" des zwanzigsten Jahrhunderts im Leben der Protagonisten nachwirken. Verwirrend, aber unnachgiebig fesselnd findet Teutsch auch die sich erst langsam klärenden Geheimnisse um die "raubkatzenartige" Geliebte des Ich-Erzählers, und so feiert die Rezensentin diesen Roman als "elliptisches kleines Meisterwerk".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010

Was Proust und seinem Erzähler der Keks, ist Szilard Rubins Held eine Türklinke, ein Tor, ein Fenster. Und los geht's in die Vergangenheit, in die Kindheit und Jugend des Erzählers und zu den Anfängen einer schicksalhaften Liebe. Martin Meyer folgt bereitwillig, gibt sich der Melancholie des verwirrt in einem Sanatorium weilenden Helden hin und staunt über Wahrheit, Täuschung und die Macht der Phänomene - alles Themen dieses Romans. Ebenso wie die Frage, was die Gegenwart sei. Nichts nämlich, erfährt der Rezensent und denkt sich, dass Rubins Erfahrungen mit dem Sozialismus in Ungarn bei dieser Bewertung sicher eine Rolle spielen: Alles ungenügend, alles absurd, eine einzige Komödie. In dieses "Departement" nämlich trägt die erinnernde Rückschau den Helden schließlich, ein bisschen Fellini, meint Meyer ist auch dabei.

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