Detlef Brandes

'Umvolkung, Umsiedlung, rassische Bestandsaufnahme': NS-'Volkstumspolitik' in den böhmischen Ländern

Cover: 'Umvolkung, Umsiedlung, rassische Bestandsaufnahme': NS-'Volkstumspolitik' in den böhmischen Ländern
Oldenbourg Verlag, München 2012
ISBN 9783486712421
Gebunden, 315 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Mit der nationalsozialistischen "Volkstumspolitik" behandelt diese Studie einen bedeutenden Aspekt der Geschichte des "Protektorats Böhmen und Mähren" und der sog. "Sudetengebiete" in den Jahren 1938/39 bis 1945. Sie fragt, warum und in welchem Maße sich die Volkstumspolitik gegenüber den Tschechen von der Politik gegenüber anderen Völkern des östlichen Europa unterschied. Aufgrund der Akten der zentralen und regionalen NS-Behörden zeigt sie sowohl das Allgemeine als auch das Besondere dieser Politik und interpretiert die Auseinandersetzungen zwischen den Spitzenfunktionären. Der öffentliche Gebrauch der tschechischen Sprache wurde zurückgedrängt, das tschechische Bildungswesen eingeschränkt. Vor allem geht es um Planungen für die Nachkriegszeit, aber auch um Versuche, einen Teil der Pläne schon getarnt während des Krieges vorzubereiten und zu verwirklichen: die Durchsetzung der Verwaltung mit Deutschen, die Übernahme großer Wirtschaftsbetriebe, die sog. "Umvolkung" eines großen Teils der tschechischen Bevölkerung, die Zersplitterung ihres Siedlungsraums durch Aussiedlung von Tschechen und Ansiedlung von "Volksdeutschen" auf sog. deutschen Landbrücken sowie die Kategorisierung der Bevölkerung nach "rassischen" Kriterien.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2012

Rezensent Matthias Stickler, selbst Historiker der Vertreibung an der Universität Würzburg, zieht neue Erkenntnisse aus dem vorliegenden Band. Besonders deutlich macht er ihm, dass die Besatzungspolitik im "Protektorat Böhmen und Mähren" andere Ziele hatte als in benachbarten osteuropäischen Ländern. Es ging den Nazis hier zum Teil um "Eindeutschung" der tschechischen Bevölkerung - zumindest all jener Teile, die den Nazis nach ihren Kriterien als geeignet erschienen, dem Rest drohten Vertreibung und Ermordung. Das Buch verdeutlicht laut Stickler aber auch, dass die Nazis bei ihren Politik oft nicht sehr weit kamen, schon weil komplizierte Verwandtschaftsverhältnisse und die Gegenwart einer kriegswichtigen Rüstungsindustrie eine Terrorpolitik oft erschwerten. Für die Tschechen ergab sich laut Stickler unter den Nazis oft auch eine andere Konstellation als für andere Osteuropäer: Sie äußerte sich unter anderem in einer größeren Nähe zu den Sowjets, die zum Beispiel für die Polen undenkbar gewesen wäre. Für Stickler hat Brandes hier eine "wichtige Studie" vorgelegt.