Ralf Forsbach

Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im Dritten Reich

Cover: Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im Dritten Reich
Oldenbourg Verlag, München 2006
ISBN 9783486579895
Gebunden, 767 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Klaus Hildebrand und Heinz Schott (Geleitwort). Ausgezeichnet mit dem Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Noch vor wenigen Jahren war die Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Geschichte der Medizinischen Fakultäten ein absolutes Tabu. Nun zeichnet erstmals ein Autor die Entwicklung einer Medizinischen Fakultät monografisch nach. Am Bonner Beispiel stellt Ralf Forsbach die höchst unterschiedlichen Akteure in den Instituten und Kliniken vor. Zugleich stehen die internen Strukturen im Blickfeld, vor allem aber Möglichkeiten und Grenzen des Agierens in dem komplexen Wissenschaftsgefüge des "Dritten Reichs".
Forsbachs akribische Studie macht deutlich, dass sämtliche Mediziner der Universitätskliniken und -institute durch ihre Arbeit das nationalsozialistische Gesundheitssystem stützten. Selbst oppositionelle Klinik- und Institutsdirektoren glaubten sich an nationalsozialistischen Medizinverbrechen wie der Zwangssterilisierung oder dem hemmungslosen Umgang mit den Leichen Hingerichteter beteiligen zu müssen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2007

Durchwachsen scheint Hermann Mellinghoff diese Studie über Bonns Medizinische Fakultät im "Dritten Reich" von Ralf Forsbach. Der Rezensent schätzt die Arbeit als quellengesättigt, genau und differenziert in der Darstellung. Deutlich wird für ihn etwa, dass keineswegs alle Universitätsärzte in Führungspositionen "gleichgeschaltet" oder Mitglieder der NSDAP waren. Auf der anderen Seite führe der Autor die zahlreichen schlimmen Missetaten vor Augen wie Zwangssterilisationen, die Verfolgung von jüdischen Kollegen oder die Verbrechen, die im Bereich der Psychiatrie begangen wurden. Einen Schwerpunkt der Arbeit sieht Mellinghoff in der nationalsozialistischen "Säuberung" der Fakultät, dem Missbrauch der Medizin bei Psychiatrie, Euthanasie und Erbforschung sowie der Erneuerung der Fakultät nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings hält er dem Autor vor, die Fülle des ausgebreiteten Namen, Daten und Fakten nicht immer gut geordnet zu haben. Die Lektüre erweist sich für Mellinghoff daher über weite Strecken als ziemlich zäh. Bei der Schilderung vieler Themen wie der finanziellen Nöte, der Mittel- und Personalknappheit vermisst er zudem das für die Situation im "Dritten Reich" besondere. Hier biete der Autor "keine große Hilfe zum Verständnis der damaligen Vorgänge".