Gestörte Lieferketten, Flucht und Migration, Kritik an "kosmopolitischen Eliten": Auseinandersetzungen über Globalisierung und neuerdings auch Deglobalisierung haben Konjunktur. Tatsächlich wird über Wohl und Wehe der weltweiten Verflechtungen seit mehr als 150 Jahren diskutiert. Mal gewannen euphorische, mal pessimistische Sichtweisen die Oberhand. Dabei ist in jüngster Zeit das Wort "Globalismus" zu einem Kampfbegriff geworden. David Kuchenbuch entschärft diese Debatten. Er erfasst "Globalismen" als Ausdruck eines globalen Bewusstseins, das auch die Kritik an der Globalisierung beinhaltet. In seinem Buch erzählt Kuchenbuch zum ersten Mal die wechselhafte Geschichte des globalen Denkens in der transatlantischen Moderne. Er rekonstruiert die sozialen Milieus, die kulturellen Konstellationen und die politischen Mobilisierungsprozesse, aus denen heraus Globalismen entstanden. Es geht um Phänomene wie die utopischen Hoffnungen, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine friedliche "One World" richteten, oder um die in den 1970er Jahren verbreitete Sorge angesichts "globaler Interdependenzen". So zeigt dieses konzise und anschaulich geschriebene Buch, wie stark historische Erfahrungen in gegenwärtigen Debatten fortwirken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2023
Rezensent Andreas Eckert liest den Essay des Historikers David Kuchenbuch als gewinnbringende Einführung zum Thema Globalität. Auch wenn der Autor nicht viel Neues zur Literatur über das globale Denken beitragen kann und existierende Quellen nicht immer ausreichend würdigt, wie der Rezensent einräumt, legt er, ausgehend von Wendepunkten wie der Gründung der Standard Oil oder der britischen Kontrolle des Suezkanals, die Entwicklung der Globalisierung doch überzeugend dar und widmet sich in diesem Zusammenhang auch eingehend dem Neoliberalismus, so Eckert. Dass der Autor auch historische Alternativen aufzeigt, gefällt Eckert besonders gut.
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