David Albahari

Ludwig

Roman
Cover: Ludwig
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783821861012
Gebunden, 152 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. Die langjährige Freundschaft zweier Schriftsteller - der eine Ludwig, der andere der namenlose Ich-Erzähler - ist in die Brüche gegangen. Der Ich-Erzähler sieht sich von seinem besten Freund grausam hintergangen. Seine Idee für ein Buch der Bücher - Abend für Abend hat er sie seinem bewunderten Freund, dem Bestsellerautor, immer wieder vorgetragen, in langen Diskussion verfeinert, und dann das: Ludwig veröffentlicht das Buch unter eigenem Namen - und wird zum gefeierten Star der Epoche. In einer einzigen Litanei versucht der Ich-Erzähler, sein Unrecht und die Unverfrorenheit seines einst besten Freundes in Worte zu fassen. Immer wieder durchlebt er Szenen und Begegnungen, um dem Betrug auf die Spur zu kommen - und offenbart sich in den immer grotesker werdenden Umkreisungen und Obsessionen als der, der er wirklich ist: der eigentliche Betrüger.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2010

Von David Albaharis Band "Ludwig", in dem ein Ich obsessiv darüber monologisiert, Opfer eines Plagiats geworden zu sein, zeigt sich Lothar Müller höchst angetan und gut unterhalten. Indem der serbische Autor, der seit 1994 in Kanada lebt, seinen Ich-Erzähler nicht nur über diesen vorgeblichen Raub an seinem geistigen Eigentum klagen lässt, sondern auch Vorwürfe gegen den Plagiator äußert, er habe sich als vormals realsozialistischer Autor mit dem Regime arrangiert, erhält der Roman zudem eine politische Note, stellt der Rezensent interessiert fest. Der Clou dieser Geschichte aber besteht laut Müller in dem Umstand, dass der Leser nicht umhin kommt, den Anschuldigungen des Erzählers zu misstrauen, denn es häufen sich die Hinweise, dass hinter dem Plagiatsvorwurf eine ganz andere Verratsgeschichte steht. So ist dieses Buch auch eine vergnügliche Reflexion über den "Verdacht, dass sich das Leben in der Literatur nicht ausspricht, sondern verbirgt", so der Rezensent gefesselt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2009

Anja Hirsch schreibt David Albaharis neuem Roman "Ludwig", Raffinesse und Hintersinn zu, kann sich aber manchmal einer gewissen Erschöpfung nicht erwehren. Der 1948 in Serbien geborene Autor, der seit 1994 in Kanada lebt, lässt einen namenlos bleibenden Ich-Erzähler einen furiosen und von paranoidem Neid durchdrungenen Monolog halten, in dem er seinen ehedem geliebten und in der Belgrader Literaturszene erfolgreichen Schriftstellerfreund Ludwig schmäht, erklärt die Rezensentin. Die "Suada" als Stilmittel ist in den Augen Hirschs deshalb riskant, weil sie nur allzu leicht den "Widerspruch" des Lesers provoziert. Allerdings gelinge es dem Autor, allerlei Fallen und doppelte Böden in sein "irrwitziges Spiel" zu verstricken, das die Rezensentin mit seiner Bilder- und Sprachkraft nicht selten begeisterte. Und so manche Beobachtung des rasenden Ich-Erzählers hat für sie eine faszinierende Überzeugungskraft, weshalb sie auch über die Passagen, die sich in ermüdender "Selbstreferenzialität" ergehen, großzügig hinwegsehen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2009

Gisa Funck hat ihren Spaß an dieser Künstlerroman-Parodie von David Albahari. Es geht um eine Künstlerfreundschaft, die sich im Verlauf des Textes als Künstlerleidenschaft entpuppt, Eifersucht und Paranoia inklusive und ein Ende, an dem die Rezensentin so sicher nicht mehr ist, ob der auf 150 Seiten ausgebreitete Plagiatsvorwurf des Erzählers nicht doch ein Wahn ist, Ausgeburt einer libidinösen Obsession. Dahinter jedenfalls steckt für Funck zweifellos das bereits in seinen anderen Büchern bekundete Interesse des Autors am Phänomen täuschender Perspektiven und am Spiel mit Aporien. Die in diesem Buch mitschwingende Kritik am Belgrader Kulturbetrieb kann Funck trotz aller Verspieltheit des Romans (oder gerade drum) deutlich vernehmen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009

Der Leser von Ulrich M. Schmids Rezension zu David Albaharis Roman "Ludwig" könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich um eine etwas trockene Sache handelt: Ein "poetologischer Traktat in Erzählform" sei dieses Buch, dazu noch "eine Lektüre für Fortgeschrittene". Albahari geht es in diesem Buch darum, das Problem literarischer Kreativität zu thematisieren, lobt der Rezensent etwas spröde. Dazu lasse Albahari einen Ich-Erzähler, der Schriftsteller ist, von dessen schwierigem Verhältnis zu einem anderen Schriftsteller, dem "bewunderten Genie" Ludwig, erzählen. Der besondere Kniff Albaharis besteht für Schmid darin, dass er zwischen den Zeilen signalisiert, dass dem Bericht des Erzählers nicht zu trauen ist. Tatsächlich verberge sich hinter dessen Anklagen gegen Ludwig eigene "künstlerische Impotenz". Ob das eine vergnügliche Lektüre ist, kann die Rezension nicht beantworten. Immerhin hat der Rezensent erlebt, dass der serbische Autor hier "die hermeneutische Grundlage seines grandiosen Gesamtwerks" reflektiere.
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