Isabelle Lehn

Die Spielerin

Roman
Cover: Die Spielerin
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103972023
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Eine junge Frau, wir nennen sie A., zieht in den 1990er Jahren aus der niedersächsischen Provinz nach Zürich, um als Investmentbankerin Karriere zu machen. Dort lernt sie die Welt der Bad Banks kennen, in der weder Grenzen noch Gesetze zu gelten scheinen. Als ihre Karriere jedoch stagniert, erkennt sie, wie viel Freiraum es ihr gewährt, eine Frau zu sein, die übersehen wird: Abseits der Legalität investiert sie bald Millionen. Vor Gericht schließlich schweigt sie. Ihre Geschichte erzählen andere.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.01.2025

Rezensent Nico Bleutge freut sich, dass Isabelle Lehn in ihrem neuen Roman typisch patriarchale Muster und Strukturen auf den Kopf stellt: Im Zentrum steht die Investmentbankerin A., einer realen Person nachempfunden, die uns fast ausschließlich durch die Linse anderer vorgestellt wird. Sie steht vor Gericht, nachdem sie sich in der Finanzwelt vom niedersächsischen Dorf bis nach Shanghai emporgearbeitet und allerhand nicht ganz legale Tricks gelernt hat, um riskante Investments an die Kunden zu bringen - außerdem arbeitet sie für die Mafia, erfahren wir. Bleutge lobt, wie es Lehn in geschickter Manier gelingt, die vielen erzählerischen Fäden spannungsreich zu spinnen und so deutlich zu machen, dass sich auch A. in patriarchalen Zusammenhängen bewegt und sie diese zu ihrem Vorteil ausnutzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024

Rezensentin Melanie Mühl gefällt ganz gut, dass Isabelle Lehn in ihrem dritten Roman, einem auf Tatsachen beruhenden, gut recheriertem Wirtschafts- und Mafiakrimi, die Protagonistin nur wenig Identifikationspotenzial bietet. Lehns sachlicher Stil steht dem im Weg, findet Mühl, die also gar nicht erst auf die Idee kommt, die toughe weibliche Hauptfigur als Feministin in einer Männerwelt zu idealisieren. Besser, der Leser konzentriert sich auf die "ausgefeilte" Dramaturgie, meint Mühl. Wie Lehn den Fall einer abtrünnigen Investmentbankerin entwickelt, akribisch und ohne Eile, scheint Mühl lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2024

Rezensentin Judith von Sternburg freut sich, dass Isabelle Lehns neuer Roman Anleihen am echten Leben genommen hat: Sie verarbeitet darin die Geschichte einer Mitarbeiterin der Nachrichtenagentur ddp, die für die Mafia tätig gewesen sein soll. Hier ist es die Bankerin A., die sich über lange Strecken der Geschichte ganz unauffällig verhält und, für Sternburg äußerst amüsant, von den Männern, die ihre Branche dominieren, weitestgehend nicht wahrgenommen wird. Auf die beste Art und Weise findet sie Lehns Erzählung "durchtrieben", da sie die Spannung über die ganze Strecke aufrechterhalten kann - und damit auch eine Geschichte von Männern erzählt, die Frauen am Arbeitsplatz nicht ernstnehmen, bis es zu spät ist. Ein "sehr fein feministischer Roman", resümiert die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2024

In ein "rasantes Verwirrungsstück" wird Rezensent Paul Jandl hier hineingezogen: Isabell Lehn greift die Geschichte der Betrügerin Martina N. auf, die jahrelang undercover für die kalabresische Mafia gearbeitet haben soll. Jandl ist sehr angetan von diesem "großen, erfindungsfreudigen" Buch und wundert sich, dass die Jurys diverser Literaturpreise es bisher übersehen haben. Bei Lehn heißt Martina N. einfach A. und ihr Buch beginnt mit dem Prozess gegen die unscheinbare Frau mit beiger Bluse und Pagenkopf, berichtet Jandl. Von hier aus rollt Lehn ihre Biografie von hinten auf und erzählt, wie A. getarnt mit "zurückhaltender Seriosität" im Zürcher Bankenwesen Finanzbetrug begeht und immer weiter in der Welt der Hochfinanz aufsteigt, ohne, dass ihre Kollegen auch nur Verdacht schöpfen. Am Ende ist A. Für die Insolvenz einer großen Nachrichtenagentur verantwortlich - der Auftraggeber? Wohl die Mafia selbst, so legt es auch der zwischendurch verwendete eigentümliche Erzählton nahe, wie Jandl schließt, ein "seltsamen Majestätsplural", dass immer wieder in einer scheinbar allwissenden 'Wir'- Perspektive spricht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2024

Rezensentin Marie Schmidt ist uneingeschränkt überzeugt von Isabelle Lehns drittem Roman. Er handelt von einer "unauffälligen Frau", so der Klappentext, die im Züricher Bankengeschäft äußerst lukrative Spiele betreibt und dabei von den sie umgebenden Figuren - und damit, wie Schmidt betont, zunächst auch von den LeserInnen, die nur deren Perspektive vorgestellt bekommen - nicht durchschaut wird. Besonders lobt die Rezensentin Lehns kühlen Erzählton, die mit der Distanz zur Hauptfigur die Rätselhaftigkeit der Geschichte und das dramaturgisch meisterhafte Spiel mit Lektüreerwartungen erst erlaubt. Ein spannender, klug konstruierter Roman, den Schmidt sehr empfehlen kann.

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