David Albahari

Das Tierreich

Roman
Cover: Das Tierreich
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783895614286
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. Vier junge Männer finden scheinbar zufällig während ihres Militärdienstes bei der Jugoslawischen Volksarmee zueinander. Ihr Anführer Dimitrije Donkić gibt allen Tiernamen und nennt seine Gruppe das "Tierreich". Was anfänglich harmlos aussieht, ändert sich, als Miša dazu stößt: Er war maßgeblich an den Studentenunruhen in Belgrad 1968 beteiligt, aber das weiß nur der Tiger. In Aufzeichnungen, die dieser hinterlässt, um einen Mord zu ergründen, treibt ihn die Frage um, ob und von wem Miša enttarnt wurde. Seine eigene Rolle in dem tödlichen Spiel wird dem Tiger zunehmend unklar, und bald verliert er als Autor der Geschichte jegliche Gewissheit. Der Protest der Studenten scheint manipuliert und der Sieg der Mächtigen unaufhaltsam zu sein: "Alles bestätigte endgültig, dass die Zukunft nicht mehr das war, was sie früher war, und dass selbst die Vergangenheit nicht ganz sicher vor Veränderungen sein konnte." In der Tradition abgründig kommentierter Texte von Nabokovs "Fahlem Feuer" bis Ecos "Der Name der Rose" erzählt David Albahari vom verführerischen Sog des Bösen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2017

Ein verstörendes Erzähllabyrinth nennt Rezensent Franz Haas David Albaharis neuen Roman. Nicht nur die Schlussnoten im Text verwirren den Rezensenten, der "abgründige Glanz" des Textes in der Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann kaschiert die vielen erzählerischen Falltüren im Buch nur ungenügend, erklärt Haas. Was nach dem Durchgang durch den "Reisswolf der Erinnerung" an politischen und moralischen Gewissheiten bleibt, erhellt den Schauplatz der Geschichte um den Tod dreier Soldaten, eine Kaserne in den frühen 70ern in Banja Luka, Bosnien, nur spärlich. Nicht mal dem Erzähler traut Haas über den Weg. Doch die fein austarierte Lakonik der Erzählweise hält ihn gefangen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2017

"Eine klassische Novelle, wenn es überhaupt eine klassische Novelle gibt", hat David Albahari mit "Das Tierreich" vorgelegt, meint Judith von Sternburg. Um einen geheimbundlerischen Freundeskreis unter Wehrpflichtigen im Tito-Jugoslawien geht es, fasst die Rezensentin zusammen, und um ein Wiedersehen vierzig Jahre später mit fatalem Ausgang. Wie bildhaft, ja filmisch der Autor die Zeitsprünge mit dem Stillstand beim Militär kontrastiert, hat Sternburg gut gefallen. Dass Albahari "so schlaufenfrei, so offenherzig" erzählt, kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie schlimm die Geschichte ausgeht, warnt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2017

Rezensent Lothar Müller schätzt die Romane des serbischen Schriftstellers David Albahari, die stets davon erzählen, was die Geschichte aus dem Menschen macht und ganz ohne "ideologische" Debatten und Intrigen auskommen. In "das Tierreich" begleitet der Kritiker fünf junge Männer, die die Repression nach dem Zusammenbruch von Titos Jugoslawien in einer Kaserne in Banja Luka erleben. Müller bewundert, wie ambivalent der Autor seine mit Tieren assoziierten Figuren gestaltet und taucht gebannt in eine Welt, in der "obszöne" Scherze, Gewalt-Rituale und Homosexuellen-Verachtung auf der Tagesordnung stehen. Wie sich Albahari einer realistischen Erzählform durch Zusatzgeschichten, Kommentare und Reflexionen widersetzt, hat dem Rezensenten gefallen. Nicht zuletzt lobt er Mirjana und Klaus Wittmanns Übersetzung, die Albaharis "kristalline Prosa" in ein "glänzendes" Deutsch überträgt.
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