Aus dem Russischen von Alexander Nitzberg. Herausgegeben von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg. Soviel Charms-Theater war noch nie. Sie wollten das Theater revolutionieren, sie wollten alles neu und freier machen, Daniil Charms und seine Petersburger Künstlerfreunde. Im Stalinismus ist daraus nichts geworden. Nur gerade mal ein Stück von Charms wurde zu Lebzeiten inszeniert, und diese Vorstellung (Teil eines fünfstündigen Happenings, bei dem Charms verkleidet auf einem Schrank sitzend Gedichte verlas), geriet dann gleich zu einem Skandal. Danach erlebte Charms keine weiteren Aufführungen mehr. Die meisten seiner Freunde fielen den stalinistischen Säuberungen zum Opfer, Charms selbst starb 1942 im Gefängnis. In seinen Notizheften freilich hat Charms ein reiches theatralisches Werk hinterlassen. Lange Stücke, dramatische Dialoge und Kürzestdramen aus gerade mal vier Zeilen, Absurdes, Burleskes, schreiend Komisches, es gibt kaum etwas, das er nicht ausprobiert hätte. Dieser Band versammelt so viele seiner Stücke wie sonst keiner je zuvor. Vieles gibt es hier erstmals auf Deutsch zu entdecken, alle Komik, alle Tragik, alle Größe des Charms'schen Werkes ist in dieser Ausgabe versammelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2013
Rezensent Uwe Stolzmann weiß diese vierbändige Werkausgabe des russischen Avantgardisten Daniil Charms (1905-1942) zu schätzen. Die von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg herausgegebene deutsche Ausgabe erschließt für ihn das breite Oeuvre des Schriftstellers und verdeutlicht, dass Charms nicht nur ein "Meister grotesker Prosa" war, sondern auch Lyriker, Dramatiker und Performance-Künstler. Zahlreiche Texte waren nach Auskunft des Rezensenten bisher nicht ins Deutsche übertragen oder nur in weniger überzeugenden Übersetzungen zu lesen. Nicht immer scheint Stolzmann die Lektüre der vier Bände die reine Freude zu sein, finden sich unter den Texten doch auch einige Belanglosigkeiten. Auf der anderen Seite hat er immer wieder Überraschendes entdeckt. Die Ausgabe ermöglicht in seinen Augen jedenfalls einen neuen, umfassenderen Blick auf Charms sowohl im Blick auf die Breite seines Oeuvres als auch im Blick auf die Abgründe des Schriftstellers.
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