Aus dem Russischen übersetzt und herausgegeben von Peter Urban. Die Wanne des Archimedes bietet erstmals eine umfassende Auswahl der Charms'schen Gedichte und spannt einen Bogen von der frühen Laut- und Nonsens-Poesie zu den großen dramatischen Erzählgedichten, von den verspielt philosophierenden bis hin zu den späteren, intimen Gedichten. Wenn Sprachlust, Komik und Schrecken grotesk in eins fallen, geben diese Gedichte den Blick auf die Realität frei, werden die Ängste, Nöte und Träume des Autors und seiner Zeit sichtbar. Der zum Teil zweisprachige Gedichtband ist kommentiert und mit einem Nachwort versehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2006
Diese unfangreiche Gedichtauswahl führt aus Sicht von Rezensent Felix Philipp Ingold erstmals Daniil Charms "Wortkunst in all ihren Registern" deutschen Leseraugen vor. Wortkunst, die aus Sicht des Rezensenten auf virtuose Weise dem totalitären sowjetischen Herrschaftsdiskurs Paroli geboten hat. Ingold führt detailliert in Motiv- und Formenwelt dieses Autors ein, der 1942 in einem stalinistischen Gefängnis gestorben ist. Thematisch und stimmungstechnisch findet er Charms? Lyrik seiner Kurzprosa oft recht verwandt. Es gehe um "Faulheit, Geilheit, Dummheit" und "grob typisierte sowjetische Normalverbraucher", also um Banalität und Sinnlosigkeit des Lebens an sich. Dabei schildere dieser bedeutende Autor das Schreiben immer wieder als "Widerstands- und Überlebensgeste" und konterkariere Pathos und Bombast des sowjetischen Terrorsystems mit "minimalistisch eingesetzten" formalen Mitteln. Bestnoten vergibt Ingold auch an Peter Urbans rhythmische Übersetzung.
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