Ivan Blatny

Alte Wohnsitze

Gedichte
Edition Korrespondenzen, Wien 2005
ISBN 9783902113368
Gebunden, 188 Seiten, 22,20 EUR

Klappentext

Zweisprachig. Aus dem Tschechischen und mit einem Nachwort von Christa Rothmeier. In den Gedichten aus "Alte Wohnsitze" schlägt der in England gestrandete Blatny einen Bogen zwischen seinem Leben in der Nervenheilanstalt und dem der frühen Jahre, zwischen seinen neuen und alten Wohnsitzen, den englischen Stadtlandschaften und der Umgebung Brünns: ein subtiles Porträt des Dichters auf der Suche nach der gegenwärtigen Zeit zwischen Klinik und Gedächtnis. Die Nostalgie, Trauer und das Heimweh dessen, dem als letzter Zufluchtsort nur die Sprache blieb, spiegelt sich in den zerbrechlichen Bildern, zugleich aber belegen die Gedichte die Unversehrtheit, Kontinuität und vor allem Authentizität eines inneren Lebens, das in all seinen bedeutenden Momenten erhalten bleibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2005

Felix Philipp Ingold hofft, dass der "fast vergessene" tschechische Lyriker Ivan Blatny mit dieser zweisprachigen Ausgabe von Gedichten dem deutschen und tschechischen Publikum wieder bekannter wird. Blatny, der während des Zweiten Weltkriegs drei "bemerkenswerte" Lyrikbände veröffentlichte, war 1948 aus politischen Gründen nach Großbritannien geflohen und dort wenig später als Schizophreniepatient in die Psychiatrie gekommen, erklärt der Rezensent. Dort hatte eine Pflegerin die auf Zetteln festgehaltenen "achtlos herumliegenden" Gedichte gesammelt, woraus 1977 eine Auswahl erschien, auf die sich die vorliegende Ausgabe stützt, so Ingold weiter. Die Gedichte sind thematisch eher "konventionell" und drehen sich um Kindheits- und Jugendeindrücke, Natur- und Stadterlebnisse und Tages- und Jahreszeiten, fasst der Rezensent zusammen, der sich von den "kraftvollen Stimmungsbildern" gefangen nehmen lässt. Stärker haben ihn allerdings die surrealistisch geprägten Gedichte beeindruckt, in denen der Dichter seiner "oft inkohärenten Einbildungskraft" historisch belegte Personen und Orte zur Seite stellt. Von der Übersetzung ins Deutsche durch Christa Rothmeier allerdings ist er wenig angetan, da sie, wie er klagt, die "rhythmischen und klanglichen" Eigenheiten zugunsten einer "philologisch korrekten" Übertragung "spurlos" verschwinden lässt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2005

Mit der Übersetzung dieser 1979 im Original erschienenen Sammlung wird endlich ein wichtiges Kapitel tschechischer "Literaturgeschichte" ins Deutsche übertragen, freut sich die Rezensentin Christiane Zintzen. Auch in seiner Heimat war Ivan Blatny lange Zeit ein Verschollener. 1948 hatte sich der damals noch junge Dichter nach England abgesetzt und fühlte sich bald von "kommunistischen Agenten" verfolgt. Die nächsten Jahrzehnte brachte er in psychiatrischen Anstalten zu, schrieb immerzu, aber es dauerte lange, bis jemand auf die zuvor stets von Wärtern entsorgten Texte aufmerksam wurde. Der Dichter entpuppt sich bei der Lektüre, so Zintzen, als "formvollendet ‚altsurrealistisch’ inspirierter Bilderschöpfer". Ausdrücklich gelobt wird die Übersetzung durch Christa Rothmeier.