Daniel Trachsler untersucht in seiner Arbeit, wie sich die Schweiz in den ersten Jahren des Kalten Krieges bis 1952 im Spannungsfeld zwischen Ost und West positionierte. Der Fokus richtet sich dabei auf die Frage, warum sich die politischen Verantwortungsträger dazu entschieden, auch vor dem Hintergrund einer zunehmend als bedrohlich eingeschätzten Umwelt an der Neutralität als Leitmaxime der schweizerischen Außen- und Sicherheitspolitik festzuhalten, obwohl teilweise handfeste Bedenken bezüglich deren Effektivität und Zweckmäßigkeit bestanden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2002
Neutralität gehört zur Schweiz, so scheint es, wie die Löcher zum Emmentaler-Käse. In seiner Studie "Neutral zwischen Ost und West?" zeigt Daniel Trachsler nach Auskunft des mit "bre" zeichnenden Rezensenten indes, dass das Prinzip der Neutralität eine Zeit lang von oberster Stelle, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in Frage gestellt wurde. Auf Grundlage bisher unbearbeiteter Quellenbestände aus dem Bundesarchiv gibt Trachsler laut Rezensent einen "detaillierten Überblick" über die Infragestellung und die Konsolidierung der Neutralitätspolitik zu Beginn des Kalten Krieges. So meldete der langjährige Schweizer Außenminister Petitpierres (1945-1961) angesichts der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Februar 1948 größte Zweifel am Neutralitätsprinzip an, plädierte für eine Annäherung an die Westmächte, und wurde vom Gesamtbundesrat im März 1948 in einem Grundsatzentscheid überstimmt, berichtet der Rezensent. Fazit des Rezensenten: Trachslers "lesenswerte Analyse" trägt dazu bei, "ein besseres Verständnis von der Herausbildung einer mythisierenden Auffassung der Neutralität zu gewinnen".
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