Herausgegeben von Sebastian Hefti im Auftrag der Deutschschweizer PEN-Zentrums.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.08.2002
Aus diesen Seiten spricht der Wunsch nach Sühne und Rache. Allerdings nicht zulasten des "falschen Opfers" Binjamin Wilkomirski, wie David Kassner feststellt, sondern gegen die deutsche "Leidkultur", die Verlage und Literaturagenten, die das getürkte KZ-Schicksal des Binjamin W. für bare Münze nahmen, nehmen wollten, wie es der Autor sieht. Wenn Daniel Ganzfried sich mit diesem Buch nun der "Enttarnung" des Fakes rühmt und gegen die an der Publikation Beteiligten polemisiert, schießt er für Kassner allerdings weit übers Ziel hinaus: Weder die "kaum redigierten" Zeitzeugen-Interviews mit Claude Lanzmann und Imre Kertesz noch die "vagen Andeutungen" und "pauschalen Verurteilungen" des Autors, findet er, tragen zum Verständnis des Falls bei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2002
Der Autor Daniel Ganzfried war derjenige, der vor sieben Jahren in der Zürcher "Weltwoche" den atemberaubenden Betrug des Holocaust-Schwindlers Binjamin Wilkomirski nach gründlicher Recherche aufdeckte. In diesem Buch erzählt er nun, "mal genüsslich, mal fassungslos", wie der Rezensent Alex Rühle schreibt, die Geschichte dieser Enthüllung - und natürlich auch die Geschichte des Bruno Doessekker alias Wilkomirski, der sich immer größenwahnsinniger zum Holocaust-Opfer stilisierte, das er nie war. Bei Ganzfried erscheint Doessekker als "geltungssüchtiger Betrüger", aber auch, so Rühle, als "Opfer seiner Autosuggestion und Geltungssucht". Stärker als der Schwindler selbst gerät so das Umfeld in den Blick, der Literaturbetrieb, eine Öffentlichkeit, die nach der Enthüllung über "Lüge und Nacktheit" diskutierte. Rühle würdigt das Buch als "hermeneutisches Lehrstück", weist aber auch darauf hin, dass Ganzfried selbst das eine oder andere Mal die wirklichen Umstände seiner Recherche semi-fiktional aufgehübscht habe.
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