Daniel Galera

Flut

Roman
Cover: Flut
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518424094
Gebunden, 425 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Nicolai von Schweder-Schreiner. Sein Vater erschießt sich vor seinen Augen, und was ihm bleibt, sind der alte Schäferhund und eine vage Sehnsucht nach Läuterung. Er bricht auf in den Süden und mietet sich in einem kleinen Ort an der Küste ein. Er findet Arbeit als Sportlehrer, lernt eine Frau kennen, unternimmt lange Wanderungen mit dem Hund, schwimmt Stunden am Stück ins offene Meer hinaus. Vor allem aber versucht er ein Familiengeheimnis zu ergründen - sein Großvater hatte in der Gegend gelebt, bis er unter ungeklärten Umständen verschwand. Doch ein empfindliches Handicap erschwert ihm die Suche, eine neurologische Erkrankung, er kann Gesichter nicht wiedererkennen. Seine Nachforschungen jedenfalls scheinen die Anwohner aufzuschrecken, Gerüchte machen die Runde, wird er bedroht? Wem kann er trauen, wenn schon nicht sich selbst und seinen Wahrnehmungen? Allmählich begreift er, dass er das gleiche Schicksal wie sein Großvater zu erleiden droht. Und plötzlich steht ihm das Wasser bis zum Hals.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2013

Ein Versprechen auf mehr von diesem Autor ist dieser Roman von Daniel Galera für Eberhard Geisler. Warum? Weil der Autor scheinbar sehr lässig die Theologie in die leicht erzählte Geschichte eines Mannes auf der Suche nach seiner Herkunft und nach dem einfachen Leben einwebt. Die Tatsache, dass der Mann sich keine Gesichter merken kann und der Roman mit Spiegelbildern spielt, deutet Geisler, nachdem ihn der Autor immer wieder mit scheinbar bedeutungslosen Zeichen erfreut hat, als Teil einer theologischen Spekulation, derzufolge der Mensch erst frei ist, wenn er Gottes Antlitz als Verlöschendes begreift (oder so ähnlich). Für Geisler eine faszinierende Sache - der Gedanke wie auch die Niederlegung im Roman.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2013

Einen "bemerkenswerten" und "vorzüglich" verfassten Roman über eine ländliche, brasilianische Gemeinde hat Rezensent Andreas Fanizadeh hier gelesen. Im Mittelpunkt steht ein Sportlehrer, der eingangs mit einem dunklen Geheimnis aus der Geschichte des Dorfes konfrontiert wird: So soll während eines Dorffestes ein Mann ermordet worden sein, wozu die Gemeinde jedoch hartnäckig schweigt. Der Konservatismus liege in diesem Roman geradezu greifbar in der Luft, schreibt der Rezensent, das Buch kennzeichne eine gewisse Härte und nicht zuletzt die sehr körperlichen, von nihilistischen Tendenzen geprägten Figuren. Das Ende schließlich sei "arg bizarr, doch nicht fatalistisch", schließt Fanizadeh.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2013

Unter die Haut geht dieser Roman von Daniel Galera der Rezensentin Michaela Metz. Die albtraumhafte Geschichte des Helden, der die Legende um den Tod seines Großvaters zu lüften versucht, ist für sie ein intuitives, mythisches Meisterwerk über die Verlorenheit. Wie Galera etwa den mittelalterlichen Aberglauben der Sonderlinge im südbrasilianischen Fischerdorf Garopaba beschreibt und die Atmosphäre so zum Seelenspiegel des Helden werden lässt, findet sie bemerkenswert gut gemacht. Die Trauer und die Desorientierung der Figur werden so für Metz spürbar.
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