Dan Diner

Rituelle Distanz

Israels deutsche Frage
Cover: Rituelle Distanz
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2015
ISBN 9783421046833
Gebunden, 176 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Vor 50 Jahren haben die Bundesrepublik Deutschland und der Staat Israel diplomatische Beziehungen aufgenommen - vorläufiger Endpunkt einer dramatischen Vorgeschichte, die im Luxemburger Abkommen zur sogenannten Wiedergutmachung von 1952 ihren Ausgang nahm. In dichter Erzählung sucht der Historiker Dan Diner die Tiefenschichten jener zwiespältigen deutsch-israelischen Annäherung auszuleuchten, vor allem die politisch-theologischen Aspekte der Diskussion auf israelischer Seite nur wenige Jahre nach dem Mord an den europäischen Juden. Es geht ihm dabei um Sprache und Habitus, Fluch und Bann, um Erinnern und Vergessen, Anerkennung und Nichtanerkennung - schließlich um die Entscheidung zwischen jüdischer Tradition und israelischer Staatsraison: Durfte man mit dem Land der Mörder in Verhandlungen treten und materielle Entschädigung annehmen?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2015

Joseph Croitoru liest das Buch des israelisch-deutschen Historikers Dan Diner über das Wiedergutmachungsabkommen zwischen Israel und Deutschland 1952 und die daraus folgenden Spannungen in Jerusalem mit genauem Blick für die Veränderungen im jüdischen Selbstverständnis, nach Aussage des Autors ein Schwerpunkt des Buches. Laut Rezensent bleiben einige Hintergründe der Vertragsunterzeichnung allerdings unreflektiert bzw. undeutlich, etwa der Grad der Selbstlegitimierung des israelischen Staates in der Argumentation für den Vertrag. Diners Analyse der Atmosphäre während der Unterzeichnung scheint dem Rezensenten zudem unvollständig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2015

Endlich ein lesenswertes Buch über israelisch-jüdische Beziehungen zu Deutschland, seufzt Michael Wolffsohn angesichts von Dan Diners neuem Wurf. Auch wenn der Autor für Wolffsohn keine neuen Fakten bringt, gelingt es ihm laut Rezensent doch, Altes in neuem Licht zu sehen, indem er etwa die lähmende Sorge um das ewig Korrekte beiseite lässt, und glasklar und verständlich theologische Tiefenschichten vor allem aus der Frühphase der iraelisch-deutschen Beziehungen erkundet. Wie Diner zum Beispiel die Körpersprache der Beteiligten des Wiedergutmachungsabkommens vom September 1952 oder die vorhergehenden Knesset-Debatten analysiert, scheint dem Rezensenten einzigartig.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2015

Thomas Sparr schätzt besonders das Gespür für das vermeintlich Kleine, für Gesten und Bilder, mit dem der Historiker Dan Diner anlässlich des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel das Verhältnis der beiden Staaten betrachtet. Große Begriffe wie "Schuld" und "Sühne" treten dahinter zurück, meint Sparr und konzentriert sich zusammen mit dem Autor auf die Nebenwege, den Kontext der Widerworte und die Distanz zwischen den beiden 1952 in Luxemburg zur Unterzeichnung des deutsch-israelischen Abkommens zusammentreffenden Delegationen. Der ganze historische Prozess scheint dabei für Sparr auf und die bis heute wirkenden Belastungen im Verhältnis beider Staaten.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2015

Richard Herzinger liest Dan Diners Rekonstruktion des deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommens mit großem Interesse. Dass die Beziehung der beiden Nationen zur Erfolgsgeschichte wurde, wie Herzinger weiß, lässt sich für den Rezensenten aus der Urszene der offiziellen Beziehungen beider Länder zunächst nicht ablesen. Allzu bizarr erscheinen die von Diner minutiös beschriebenen Rahmenbedingungen des Zusammentreffens, von denen die Anweisung der Kommunikation auf Englisch nur eine darstellt. Über den praktischen wie auch moralischen Erfolg der Anstrengungen von 1952 lässt der Autor den Rezensenten allerdings nicht im Zweifel.
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