Cornelia Koppetsch

Die Gesellschaft des Zorns

Rechtspopulismus im globalen Zeitalter
Cover: Die Gesellschaft des Zorns
Transcript Verlag, Bielefeld 2019
ISBN 9783837648386
Kartoniert, 288 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Was noch in den 1990er Jahren undenkbar war, ist mittlerweile Alltag: Ganze Bevölkerungsgruppen verlassen den Boden der gemeinsamen Wirklichkeit, kehren etablierten politischen Narrativen zornig den Rücken oder bestreiten gar die Gültigkeit wissenschaftlichen Wissens. Der Aufstieg des Rechtspopulismus markiert nach Dekaden der Konsenskultur eine erneute Politisierung der Gesellschaft. Gängige Erklärungen für die Entstehung des Rechtspopulismus ziehen die Ereignisse der Fluchtmigration von 2015 oder vorgebliche Persönlichkeitsdefizite seiner Anhänger als Ursachen heran. Cornelia Koppetsch dagegen sieht die Gründe in dem bislang unbewältigten Epochenbruch der Globalisierung. Wirtschaftliche, politische oder kulturelle Grenzöffnungen werden als Kontrollverlust erlebt und wecken bisweilen ein unrealistisches Verlangen nach der Wiederherstellung der alten nationalgesellschaftlichen Ordnung. Konservative Wirtschafts- und Kultureliten sowie Gruppen aus Mittel-und Unterschicht, die auf unterschiedliche Weise durch Globalisierung deklassiert werden, bilden dabei eine klassenübergreifende Protestbewegung gegen die globale Öffnung der Gesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.07.2019

Rezensent Jens Balzer lobt das Buch der Soziologin Cornelia Koppetsch für seine Verbindung von soziologischer Großanalyse und Alltagsbeobachtung. Erhellend findet er, dass die Autorin sich zum besseren Verständnis gesamtgesellschaftlicher Veränderungen mit den Rechtspopulisten wie mit den von ihnen attackierten Kosmopoliten gleichermaßen kritisch befasst. Allerdings fällt ihm auf, dass Koppetsch zur Überzeichnung neigt und Kosmopolitismus allzu sehr auf die Hipster-Kultur eingrenzt, während sie andererseits rechte Lebenslügen, wie die, dass es ein Außerhalb der Globalisierung noch geben könnte, nicht deutlich genug behandelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2019

Als Buch von ungeheurer Wucht beschreibt Rezensent Gustav Seibt Cornelia Koppetschs Gegenwartsanalyse, die den Rechtspopulismus als Antwort auf die nicht bewältigte Globalisierung versteht. Provokant, scharfsinnig und immer bedenkenswert findet Seibt, was Kopp zum "globalen Klassenkampf" schreibt, in dem die kulturelle Linke strukturell zum Wegbereiter des Neoliberalismus wird. Dabei schenke die Soziologin ihrem eigenen Milieu nichts, betont Seibt: Für Koppetsch bilde gerade das kreative, global agierende Bürgertum eine Elite, die bei aller politisch proklamierten Inklusion und Vielfalt ein Höchstmaß an Exklusivität befördert, während die entmachteten Eliten - altmodisch Gebildete, Familienväter oder Ostdeutsche mit zum zweiten Mal entwerteten Biografien - materiell und kulturell die Deklassierung spüren. Brisant erscheint dem Rezensenten, dass Koppetsch auf Norbert Elias zurückgreift und einen Prozess der Entzivilisierung erkennt, in dem nicht mehr von oben nach unten Affekthemmung und Selbstzwang weitergegeben werden, sondern durch eine Kultur der Selbstoptimierung und Leistungsbereitschaft ersetzt wurde. Als ein gewisses Manko an diesem Buch erkennt Seibt, dass der Leserkreis, der eine solche Menge an Informationen verdauen kann, nicht sehr groß sein dürfte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.06.2019

Rezensentin Edith Kresta bescheinigt der Soziologin Cornelia Koppetsch, ihr Handwerk zu verstehen: Ohne Berührungsängste habe sie sich beispielsweise auf Parteitagen der AFD mit der Neuen Rechten auseinandergesetzt, um eine präzise Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft zu leisten. Kresta hat von ihr gelernt, dass aus der Globalisierung eine neue, nahezu handlungsunfähige Mittelschicht hervorgegangen ist, die zusammen mit der Unterschicht aus Frustration nach rechts rückt. Dieses Phänomen werde auch von einer neuen akademisierten Bürgerlichkeit mitverschuldet, die zugunsten von Ökologie und Privilegien vergesse, die global zunehmende Ausbeutung von Schwächeren zu bedenken, liest die Kritikerin. Offenbar hat das Buch die Rezensentin zum Nachdenken angeregt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2019

Rezensent Philip Manow empfiehlt wärmstens Cornelia Koppetsch Erklärungen des Rechtspopulismus. Einen großen Wurf erkennt Manow in dem Buch, da die Autorin ihrem Thema gerecht wird, indem sie den Populismus ernst nimmt als Reaktion auf Globalisierung und Transnationalisierung und als gesellschaftstheoretische Herausforderung. Wenn die Autorin ihre Gesellschaftsdiagnose mit Bourdieu und Elias und umfassenden Erklärungen plausibel und genau angeht, kann Manow etwas lernen. Dass Koppetsch dabei mitunter dem Reiz der eigenen Interpretation erliegt, die komparative Perspektive vernachlässigt und allzu leichtfertig mit Sloterdijk und Nietzsche argumentiert, schmälert für Manow das große Aufklärungspotenzial des Buches nur unwesentlich.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.05.2019

Als das wohl "anregendste" Buch der Saison zum Thema Rechtspopulismus würdigt Rezensent Adam Soboczynski dieses Werk der Soziologin Cornelia Koppetsch, die er nach jüngeren, recht "polemischen" Beiträgen eigentlich im zuwanderungskritischen Flügel der Linken verortete. Hier aber erscheint ihm Koppetsch wesentlich "differenzierter": Statt das Erstarken der Rechtspopulisten und den Sinkflug der Volksparteien allein mit Flüchtlingskrise, Armut oder "ungünstigen Sozialisationsbedingungen" zu erklären, spreche die Autorin, ähnlich wie der Soziologe Andreas Reckwitz, von einer Art "Klassenkampf" in Folge der Globalisierung nach 1989: Heute stehen laut Koppetsch jene, die sich transnational ausrichten, jenen gegenüber, die sich einst zur bidlungsbürgerlich-konservativen Elite zählten. Deren Zorn führe zum Wunsch nach Restauration, liest der Kritiker.