Auch wenn sie "so ganz grundfalsch" nicht erscheint, erwägt unser Rezensent Wilhelm Trapp die Grundaussage des Bandes von Claudia Benthien und Inge Stephan, so bleibe sie doch "theoretisch unverbindlich". Den Titel bewertet unser Rezensent als "eine Retromode der Identitätspolitik, der es an Begründung" ebenso fehlt, wie ihm selbst eine Erklärung dafür, welches Problem die Autorinnen in diesem Buch eigentlich behandeln. Denn erstens funktioniere die "prekär und fragil" beschaffene Männlichkeit, wie sie Stephan und Benthien behandeln, "im Grunde recht gut" und zweitens sei Identität sowieso immer "ein wenig heikel", behauptet Trapp.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2004
Kersten Knipp betätigt sich als konservativer Ketzer und konfrontiert die Erkenntnisse der Gender Studies zum Thema Männlichkeit, die dieser Band versammelt, mit dem guten alten Unterschied zwischen dem "harten Stoff der Wirklichkeit" und der Diskursrealität. Da toben sich die Hermeneuten in den Texten aus, finden überall Belege für die Konstruiertheit von Geschlecht, sozial und biologisch, lobpreisen die Segen der geschlechtlichen Ambivalenz und die Befreiung von starren sozialen Erwartungen, und merken gar nicht, dass sie der Wirklichkeit einen träumerischen Schritt voraus sind. "Eindeutige geschlechtliche Identität wird nach wie vor meist stützende und entlastend wirken", schreibt Knipp und meint die "Praxis". Wer wissen will, wie's in der Theorie zugeht, wo Männlichkeit zur Maskierung aufgeweicht wird, der greife zum besprochenen Buch.
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