Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer. Mit Abbildungen. Die "Germania" ist eine der berühmtesten und berüchtigtsten Schriften der Antike. Das kleine Buch, in dem der Römer Tacitus seinen Landsleuten vor Augen halten wollte, wie dekadent sie waren, schuf den Mythos der unbeugsamen, kriegstüchtigen, blauäugigen, rassereinen und trotz aller Wildheit sittsamen Germanen. Der Altphilologe und Ideengeschichtler Christopher B. Krebs erzählt erstmals für ein breiteres Publikum, wie das Buch im Verlauf seiner Geschichte immer wieder für unterschiedliche Zwecke instrumentalisiert wurde. So benutzte man den Germanenmythos im 19. Jahrhundert, um eine nationale Identität zu stiften, während im 20. Jahrhundert Rassetheoretiker bei Tacitus Argumente für die Überlegenheit der "deutschen Rasse" fanden, was die Nationalsozialisten begeistert aufgriffen. Sie begaben sich sogar auf die Suche nach der ältesten überlieferten Handschrift in Italien und gelobten, Deutschland wieder so nobel und rein zu machen, wie die Germanen einst gewesen seien.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2012
Für informativ und anregend hält Judith Leister diese Studie zur Rezeptionsgeschichte der "Germania". Sie findet spannend, was der Altphilologe Christopher B. Krebs hier mit detektivischem Gespür über das Germanen-Bild des Tacitus und seine 450 Jahre währende Rezeption herausfindet. Von Melanchthon und Opitz bis Turnvater Jahn und Gottlieb Fichte, staunt Leister, reiche der Bogen und immer gehe es um die fehlende politische Einheit der Deutschen. Die angelsächsische Tradition der Geschichtsschreibung sieht sie bei Krebs in guter wie in schlechter Hinsicht fortgeschrieben: Szenisch packend, aber mitunter auch allzu romanhaft sei der Stil der Arbeit. Mit jeder Menge kurioser Details zur Wirkungsgeschichte der "Germania" macht der Autor das Fabulieren allerdings allemal wett.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012
Ungnädig wird dieses Buch von Lorenz Jäger aufgenommen. Nur eine Linie der Tacitus-Rezeption lege Christopher Krebs hier frei, und das sei die Linie, die zu Himmler und den Nazis führe, die Tacitus' Bericht über die Germanen als eine Art Alternativbibel benutzt hätten. Andere Auseinandersetzungen mit Tacitus - etwa Rudolf Borchardts Übersetzung, aus der Jäger zitiert - unterschlage Krebs dagegen. Vor allem übergeht Krebs nach Jäger, dass auch andere Nationen im 19. Jahrhundert ihre Identität mit aus der Antike hergeholten Texten und Rechtfertigungen zimmerten, und Deutschland mit Tacitus also keineswegs so allein dasteht. Einiges Interessante über die Tacitus-Rezeption hat Jäger aber aus den Kapiteln erfahren, die sich mit der frühen Neuzeit und dem Barock befassen.
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